Zeitungsstapel

Sprachwissen

Stolpersteine: Über falsch verwendete Wörter und Formulierungen

Kürzlich fand ich bei Twitter folgende Notiz: „Zugbegleiter: ‚Bitte beachten Sie: Der Bahnsteig ist höher wie gewohnt.‘ Syrer mit ‚Deutsch für Anfänger‘ auf dem Schoß ...
Kürzlich fand ich bei Twitter folgende Notiz: „Zugbegleiter: ‚Bitte beachten Sie: Der Bahnsteig ist höher wie gewohnt.‘ Syrer mit ‚Deutsch für Anfänger‘ auf dem Schoß: ‚... Als ...‘.“ Tatsächlich verlangt der Komparativ, die erste Steigerungsstufe des Adjektivs, die Konjunktion „als“. Das Bindewort „wie“ drückt hingegen Gleichheit aus. Es folgt auf die adjektivische Grundform. Man sagt „Der Bahnsteig ist höher als gewohnt“ und „Das Wetter ist schöner als gestern“ – oder „Der Bahnsteig ist genauso hoch wie immer“ und „Das Wetter ist so schön wie gestern“.

Richtige und falsche Formulierungen: Mädchen am Computer

Neben falschen Verwendungen von „als“ und „wie“ haben sich umgangssprachliche Dopplungen beider Konjunktionen eingebürgert. Sätze wie „Er ist größer als wie ich“ und „Ich bin jünger als wie du“ fallen allzu oft. Gelegentlich möchte man auch Muttersprachlern Deutschkurse für Anfänger nahelegen – zumal neben „als“ und „wie“ etliche andere Begriffe sinnentstellend eingesetzt werden. Die häufigsten Fehler passieren bei folgenden Paaren:

„Wörter“ und „Worte“: Der Plural „Wörter“ fasst einzelne Termini oder unseren gesamten Wortschatz zusammen. Wörter können Gemeinsamkeiten teilen, stehen jedoch in keinerlei Sinnzusammenhang („alle im Duden gelisteten Wörter“, „Wörter mit Doppelvokalen“). Im Gegensatz dazu bezeichnen „Worte“ Redewendungen, Zitate oder bestimmte Botschaften: Sinn und Inhalt sind von ausschlaggebender Bedeutung („mit anderen Worten“, „entschuldigende Worte“).

„Scheinbar“ und „anscheinend“: „Scheinbares“ markiert Dinge, die nicht den Tatsachen entsprechen. Wer „scheinbar“ sagt, weiß, dass eine unwahre Aussage folgt („Er hat zu viel getrunken, bleibt aber scheinbar fahrtüchtig ...“). Dagegen ist etwas „Anscheinendes“ allem Augenschein nach wahrscheinlich. Hier wird eine Vermutung ausgesprochen („Anscheinend hat er sich verspätet ...“).

„Website“ und „Webseite“: Der Begriff „Website“ schließt sämtliche Seiten und Inhalte eines Internetauftritts ein – während „Webseite“ lediglich für eine einzelne Seite steht. Als „Homepage“ bezeichnet man übrigens nur die Startseite einer Webpräsenz.

„Dasselbe“ und „das Gleiche“: „Dasselbe“ gibt es immer nur einmal. Und „das Gleiche“ umschreibt verschiedene, zum Verwechseln ähnliche Dinge. Ich kann dasselbe Kleid wie gestern tragen, aber nur das gleiche Kleid wie meine Freundin kaufen. Und ich kann am selben Tag (am 8. August 2015) einen Blogbeitrag verfassen, Texte korrigieren und Bücher lesen. Der gleiche Tag wäre hingegen eine exakte Kopie des 8. August 2015 – und das wäre in der Tat sehr unwahrscheinlich.

„Zeitgleich“ und „gleichzeitig“: „Zeitgleich“ bestimmt die Zeitdauer, nicht aber den Zeitpunkt zweier oder mehrerer Ereignisse („Bahn und Bus erreichten ihr Ziel zeitgleich in drei Stunden ...“). „Gleichzeitig“ wiederum weist darauf hin, dass etwas tatsächlich im selben Moment stattfindet („Bahn und Bus starteten gleichzeitig um 8:20 Uhr ...“).

„Vierzehntäglich“ und „vierzehntägig“: Das Adjektiv „täglich“ steht für einen Zeitraum und das Suffix „-tägig“ für eine bestimmte Zeitdauer. Etwas Vierzehntägliches wiederholt sich alle zwei Wochen: beispielsweise der Stammtisch oder die Vereinssitzung. Ein vierzehntägiges Ereignis hält zwei Wochen an: beispielsweise der Urlaub auf Ibiza.

„Zu Hause“ und „Zuhause“: Das Adverb „zu Hause“ präzisiert gewisse Umstände. Dass jemand zu früh oder sehr spät zu Hause eintrifft zum Beispiel. Laut Duden darf das Adverb auch in einem Wort, niemals aber groß geschrieben werden. Wer „Zuhause“ statt „zu Hause“ oder „zuhause“ schreibt, verwendet ein Substantiv – und spricht von seiner Wohnung: von seinem neuen oder gemütlichen Zuhause, in dem er sich wie zu Hause fühlen darf.

„Retten“ und „bergen“: Vornehmlich Journalisten setzen „retten“ und „bergen“ falsch ein. „Auto überschlägt sich, Fahrer wird schwer verletzt geborgen“, so beispielsweise DIE WELT. Dabei bezieht sich „bergen“ auf Tote oder leblose Tiere. Wenden Retter lebensbedrohliche Zustände ab oder befreien sie Menschen und Tiere aus gefährdenden Situationen, muss von „retten“ die Rede sein: Verletzte werden gerettet, Tote werden geborgen.

Sprachliche Fehlleistungen anderer Art begegnen uns bei Wortschöpfungen wie „Gesundheitsprävention“, „Vorankündigung“, „Zukunftsprognose“ oder „überwiegende Mehrheit“. Eine Mehrheit beispielsweise überwiegt automatisch, kommt also ohne auf ihre Mehrzahl hinweisende Adjektive aus. Und über „Gesundheitsprävention“, „Vorankündigung“ und „Zukunftsprognose“ dürfen Sie nachdenken – oder das Floskel-Glossar der Redakteure Udo Stiehl und Sebastian Pertsch zurate ziehen.

Tautologien und Pleonasmen: Von wirkungsvollen Stilmitteln und unschönen Stilfehlern

Tautologien sind rhetorische Wiederholungen – und ausgesprochen kluge stilistische Mittel. Denn zwei aneinandergereihte Begriffe drücken denselben Gedanken aus ...
Tautologien sind rhetorische Wiederholungen – und ausgesprochen kluge stilistische Mittel. Denn zwei aneinandergereihte Begriffe drücken denselben Gedanken aus: Sie unterstreichen und verstärken das Gesagte. Viele Tautologien sind als feste Fügungen in unseren Wortschatz eingegangen. Sie setzen sich aus Wörtern derselben Wortart und häufig aus zwei Synonymen zusammen: zum Beispiel
  • hegen und pflegen,
  • immer und ewig,
  • nie und nimmer,
  • stets und ständig,
  • voll und ganz.

Bei einer zweiten Form der Tautologie wird das gleiche Wort wiederholt. Hierzu gehört Gertrude Steins viel zitierter Satz „Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“1 – und Formeln wie
  • Geschäft ist Geschäft,
  • Gesetz ist Gesetz,
  • Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps.

Tautologien und Pleonasmen: Glasses On Closed MacBook
Führen Kombinationen unterschiedlicher Wortarten zu inhaltlichen Doppelungen, handelt es sich um sogenannte Pleonasmen. Auch hier kann die jeweilige Aussage bewusst hervorgehoben werden: namentlich bei Pleonasmen, die als feststehende Ausdrücke in aller Munde sind. Hierzu zählen Wörter wie
  • auseinanderklaffen,
  • nachfolgend,
  • stillschweigen,
  • schlussendlich.

Heikel wird es, sobald einzelne Wörter einer Wortgruppe keine neuen Informationen liefern. Überflüssige Doppelungen lassen sich vor allem bei Verbindungen von Adjektiven und Substantiven beobachten. Allzu oft beschreibt das Adjektiv Dinge, die das nachstehende Substantiv ohnehin einschließt. Beispielsweise bei
  • kaltes (oder gefrorenes) Eis,
  • runde Kreise (oder Kugeln),
  • schwarze Raben (oder Rappen),
  • jüdische Synagogen,
  • weibliche Politikerinnen.
Kreise (oder Kugeln) sind immer rund, Raben (oder Rappen) sind immer schwarz. Katholische oder muslimische Synagogen wären eine Weltneuheit. Und wenn Politikerinnen weiblich sind, dann sind ihre Kollegen vielleicht ... männliche Politikerinnen?

Auch in der Firmen- und Werbesprache finden sich zahllose Häufungen sinngleicher Begriffe. Mal sprechen Unternehmen von „Auslandsexporten“. Ein anderes Mal bekommen Kunden „Gratisgeschenke“ und „seltene Einzelstücke“ angeboten. Wieder anderswo geht es um „qualitativ hochwertige“ Produkte oder um die neueste „BIT-Technologie“. Doch guter Stil kommt ohne unnötige Wiederholungen aus: ohne Hinweise auf Exporte ins Ausland, auf die Seltenheit eines Einzelstücks oder auf die Qualität hochwertiger Produkte. Und werben Firmen oder Händler für bestimmte BIT-Technologien, werben sie wortwörtlich für „Business-Information-Technology-Technologien“. Sie leiden am RAS-Syndrom, und dieses Leiden ist einen eigenen Blogbeitrag wert.

1 Nachzulesen in Gertrude Steins Gedicht „Heilige Emily“ (1913) und in ihrem Kinderbuch „Die Welt ist rund“ (1939).

Eine verbreitete Plage: Das RAS-Syndrom

Sie sind aus unserem Wortschatz nicht mehr wegzudenken: Abkürzungen, die aus den Anfangsbuchstaben einzelner Wortbestandteile bestehen. Zu diesen sogenannten Akronymen gehören Kürzel wie ...
Sie sind aus unserem Wortschatz nicht mehr wegzudenken: Abkürzungen, die aus den Anfangsbuchstaben einzelner Wortbestandteile bestehen. Zu diesen sogenannten Akronymen gehören Kürzel wie ABM, DAX, IBAN und SMS. Weniger bekannt ist das RAS, das „redundante Akronym-Syndrom“. Oder besser gesagt das RAS-Syndrom: die selbstreferenzielle Umschreibung für das überflüssige Hinzufügen eines Wortes, das bereits mit dem letzten Buchstaben des Akronyms bezeichnet wird. Das RAS-Syndrom begegnet uns unter anderem bei
  • ABM-Maßnahme („Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“-Maßnahme),
  • BAföG-Gesetz („Bundesausbildungsförderungsgesetz“-Gesetz),
  • DAX-Index („Deutscher-Aktienindex“-Index),
  • PIN-Nummer („Persönliche-Identifikationsnummer“-Nummer).

Tautologien und Pleonasmen: Glasses On Closed MacBook
Solche Doppelungen entstehen aus Unwissenheit. Häufig kennen wir lediglich bestimmte Abkürzungen. Die zugrunde liegenden Wörter und ihre Bedeutungen sind uns fremd: insbesondere bei IT-Begriffen, sonstigem Fachjargon und aus dem Englischen stammenden Akronymen. Hier schleicht sich das RAS-Syndrom besonders oft ein. Beispielsweise bei
  • GIF-Format („Graphics-Interchange-Format“-Format),
  • HIV-Virus („Humanes Immundefizienz-Virus“-Virus),
  • HTTP-Protokoll („Hypertext-Transfer-Protocol“-Protokoll),
  • IBAN-Nummer („International-Bank-Account-Number“-Nummer),
  • LCD-Display („Liquid-Crystal-Display“-Display),
  • PDF-Format („Portable-Document-Format“-Format).

Fehlendes Hintergrundwissen macht sich auch umgekehrt bemerkbar. Mitunter werden Zusammensetzungen als RAS-Syndrome wahrgenommen, die völlig korrekt sind. Hierzu gehören die Komposita
  • BMW-Werk: BMW steht für Bayrische Motoren Werke. Eine bestimmte Niederlassung bleibt als solche zu benennen.
  • DIN-Norm: Mit DIN ist das Deutsche Institut für Normung, nicht aber eine konkrete Norm gemeint.
  • SMS-Nachricht: Hinter SMS verbergen sich die Wörter „Short Message Service“. Das Akronym bezeichnet einen Nachrichtendienst und nicht die Nachricht an sich.

Um notwendige Zusätze anzuhängen und unnötige Wortwiederholungen zu vermeiden, hilft nur eines: unbekannten Akronymen auf den Grund gehen. Datenbanken wie der englische Acronym Finder oder das deutsche Woxikon listen zahllose Abkürzungen und ihre Bedeutungen. Überflüssige Doppelungen können einfach gestrichen werden. Doch nicht immer fügen sich Kürzel wie IBAN, LCD oder PDF flüssig in den Text ein. Je nach individuellem Sprachempfinden wirken Akronyme allzu abgehackt. Hier empfehlen sich Kombinationen mit Wörtern, die nicht im Akronym enthalten sind. Unter anderem
  • „IBAN-Überweisung“ statt „Überweisung mittels IBAN-Nummer“,
  • „LCD-Fernseher“ statt „Fernseher mit LCD-Display“,
  • „PDF-Datei“ statt „Datei im PDF-Format“.
Wo es sich anbietet, kann anstelle des schließenden Buchstabens das komplette Wort stehen: HI-Virus statt HIV zum Beispiel. Und gehören sowohl das Akronym als auch der volle Begriff zum allgemeinen Sprachschatz, darf ausgeschrieben werden: Bundesausbildungsförderungsgesetz statt BAföG oder Deutscher Aktienindex statt DAX.

Chronischer Apostrophitis vorbeugen

Im Englischen geht nichts ohne das, was hierzulande als „Deppenapostroph“ verspottet wird. Formulierungen wie „Shakespeare’s sonnets“ und „Flaubert’s novels“ sind korrekt – „Flaubert’s Romane“ oder „Leipzig’s Stadtbücherei“ ...
Im Englischen geht nichts ohne das, was hierzulande als „Deppenapostroph“ verspottet wird. Formulierungen wie „Shakespeare’s sonnets“ und „Flaubert’s novels“ sind korrekt – „Flaubert’s Romane“ oder „Leipzig’s Stadtbücherei“ sind Fälle für den Rotstift. Apostrophe kennzeichnen den Genitiv, sofern Namen auf s, ss, ß, tz, z oder x enden und ohne Artikel auskommen: bei „Anna Seghers’ Texte“ und „Siegfried Lenz’ Erzählungen“, nicht aber bei „Texte der Anna Seghers“ und „Erzählungen des Siegfried Lenz“.

Deppenapostroph oder falsches Genitiv–Apostroph: Specks Hof Leipzig

Der Einfluss des Englischen mag die gehäufte Verwendung falscher Genitiv-Apostrophe begünstigen. Aber auch der Duden sorgt für Verwirrung. Denn laut Rechtschreibregel D 16 wird der Apostroph gelegentlich „in Verdeutlichung der Grundform eines Personennamens“ gebraucht: bei „Andrea’s Blumenecke (zur Unterscheidung vom männlichen Vornamen Andreas).“ Klarheit herrscht jedoch auch ohne solche Apostrophe. „Andreas Blumenecke“ gehört Andrea und „Andreas’ Blumenecke“ gehört Andreas. Obwohl unnötig, hat der Duden einen Präzedenzfall für falsche Schreibungen geschaffen: für „Christian’s Garten“, „Uwe’s Bistro“, „Lisa’s Bücher“ und so fort.

Deppenapostrophe machen selbst vor dem normalen Plural-S nicht halt: vor „Auto’s“, „Handy’s“ oder „Tattoo’s“. Der Plural kommt ohne Apostrophe aus, und dies gilt auch für Abkürzungen – für „DVDs“, „Pkws“, „AGs“ und „GmbHs“ (statt „DVD’s“, „Pkw’s“ oder „GmbH’s“).

Doch keine Rechtschreibregel ohne Ausnahme: In Eigennamen dürfen Apostrophe vor dem Genitiv-S stehen. Das war bei der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann der Fall. Und auch die Brauerei Beck’s oder die Großbäckerei Schäfer’s fügen Apostrophe in den firmeneigenen Schriftzug ein. Solche Schreibweisen gehen als künstlerische Freiheiten durch. Anders dagegen beim Fastfood-Riesen McDonald’s. Hier handelt es sich um ein amerikanisches Unternehmen. McDonald’s hat die heimische Rechtschreibung mit nach Deutschland gebracht – und bekanntlich setzen Amerikaner und Engländer stets Apostrophe vor dem Genitiv-S.

Besondere Problemfälle: Satzzeichen nach Stichpunkten

Stichpunkte sorgen für Übersichtlichkeit. Websitetexte profitieren von überschaubar aufbereiteten Informationen. Auch Flyer, Prospekte oder Broschüren brauchen Struktur und kommen selten ohne Stichpunktlisten aus ...
Stichpunkte sorgen für Übersichtlichkeit. Websitetexte profitieren von überschaubar aufbereiteten Informationen. Auch Flyer, Prospekte oder Broschüren brauchen Struktur und kommen selten ohne Stichpunktlisten aus. Solche Listen sind nichts anderes als Aufzählungen – und klassische Aufzählungen werden durch Kommas getrennt. Doch im Falle von Stichpunkten gilt es zu unterscheiden: zwischen Stichpunkten, die
  • Sätze ergänzen,
  • auf freistehende Zeilen folgen und daher
  • kolumnenartige Aufzählungen sind.

Stichpunkte als Teile eines Satzes


Sie haben es gerade bemerkt: Vervollständigen Stichpunkte Teilsätze, gelten dieselben Regeln wie für Aufzählungen innerhalb eines Satzes. Dass am Zeilenanfang Gedankenstriche oder Aufzählungspunkte stehen, tut nichts zur Sache. Auch bei Stichpunktlisten
  • schließen Sie die einzelnen Zeilen mit Kommas ab,
  • fügen Sie notwendige, vom Duden vorgeschriebene Satzzeichen ein,
  • können Sie, sofern der Stichpunkttext bereits Kommas enthält und Sie Zusammenhänge besser kennzeichnen möchten, am Ende Semikolons setzen;
  • dürfen Sie beim vorletzten Stichpunkt anstelle des Kommas ein Bindewort einschieben und
  • beenden Sie den letzten Stichpunkt mit einem Punkt.

 Satzzeichen bei Stichpunkten und Aufzählungen: Schreibmaschine mit To-Do-Liste
Alternativ kann hinter jedem Stichpunkt ein Schlusspunkt stehen. Durchgängige Satzpunkte empfehlen sich bei längeren Zeilentexten: vor allem,
  • wenn Ihre Stichpunkte bereits Kommas, Doppelpunkte, Gedankenstriche oder Klammern enthalten – dann sorgt ein Punkt für einen präzisen Abschluss.
  • wenn Sie Wortgruppen um ganze Sätze ergänzen. Auch hier erleichtern Satzpunkte die Lesbarkeit.

Sind Stichpunkte Teile eines Satzes, müssen sie grammatisch gleich aufgebaut sein. Verbinden Sie Ihre Texte einfach mit der einleitenden Passage und prüfen Sie, ob Sie sinnvoll formulieren. Auf diese Weise sehen Sie auch, ob der einleitende Teilsatz ein Komma verlangt oder ein Doppelpunkt denkbar ist. Fragen Sie sich,
  • ob Ihre Aufzählungsglieder Nebensätze sind: Weil Haupt- und Nebensatzkonstruktionen Kommas erfordern, müssen Sie auch nach dem ankündigenden Hauptsatz ein Komma setzen.
  • ob Sie in einem fortlaufenden Text einen Doppelpunkt einfügen könnten: Dann darf nach der Anmoderation ebenfalls ein Doppelpunkt stehen.
  • ob Sie einen Fließtext ebenso gestalten würden. Sicherlich würden Sie dort keiner Aufzählung Auslassungspunkte voranstellen. Daher sind Hauptsätze wie „Kommas werden gesetzt, wenn ...“ auch vor Stichpunkten keine gute Wahl.

Stichpunkte nach freistehenden Zeilen: Kolumnenartige Aufzählungen


Mitunter ergänzen Stichpunkte keine Sätze, sondern schließen an Slogans wie „Unsere Angebote“ und „Unsere Empfehlungen“ an. Solche kolumnenartigen Aufzählungen heben sich deutlich vom übrigen Text einer Website, eines Prospektes oder eines Flyers ab. Hinter „Unsere Angebote“ oder „Unsere Empfehlungen“ steht in der Regel ein Doppelpunkt. Nach den Stichpunkttexten sind Kommas und Schlusspunkte vorgesehen. Diese Zeichen dürfen aber fehlen. Beispielsweise bei Hinweisen auf

Unsere Sonderangebote:
  • Solarleuchten(,)
  • Fahrradtaschen(,)
  • handgefertigte Plattenständer(.)
Bei solchen Ankündigungen sollten Sie tatsächlich auf Satzzeichen am Zeilenende verzichten. Kommas und Satzpunkte stören, sobald kolumnenartige Aufzählungen lediglich Stichwörter bieten. Besteht Ihre Aufzählung jedoch aus vollständigen Sätzen, müssen Sie Schlusspunkte setzen. Unter anderem bei

Unser Programm am Tag der offenen Tür:
  • Der Geschäftsleiter stellt sich vor.
  • Unsere Mitarbeiter zeigen Ihnen ihre Arbeitsplätze.
  • Im Innenhof erwartet Sie ein buntes Unterhaltungsprogramm.
Selbstverständlich wird das erste Wort solcher Ganzsätze großgeschrieben. Zählen Sie dagegen Wortgruppen auf, richtet sich die Schreibung nach der Wortart: Substantive schreiben Sie groß und Adjektive, Artikel, Pronomen oder Präpositionen schreiben Sie klein.

Bindestriche oder Gedankenstriche? Zeichensetzung leicht gemacht

Bindestriche und Gedankenstriche sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Beide variieren lediglich in ihrer Länge: Der Bindestrich ist kurz („-“) und der Gedankenstrich etwas länger („–“). Häufig werden sie ...
Bindestriche und Gedankenstriche sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Beide variieren lediglich in ihrer Länge: Der Bindestrich ist kurz („-“) und der Gedankenstrich etwas länger („–“). Häufig werden sie falsch verwendet – dabei erfüllen sie höchst unterschiedliche Aufgaben.

Bindestriche und Gedankenstriche richtig verwenden: Motiv Straße mit Mittelstreifen
Bindestriche dienen einerseits als Ergänzungsstriche. Sofern zusammengesetzte Wörter einen Bestandteil teilen, kann dieses gemeinsame Grundwort durch einen Bindestrich ersetzt werden. Ergänzungsstrichen geht kein Leerzeichen voraus. Allerdings kann ein Leerzeichen anschließen: bei „Fach- und Sachbüchern“ oder „Vor- und Nachwort“ – nicht aber bei „Fach-/Sachbücher“ oder „Vor-/Nachwort“.

Bindestriche dienen andererseits als Trennungs- und Kopplungsstriche. Ihre Fachbezeichnungen lauten daher auch „Divis“ und „Hyphen“: von „dividere“, dem lateinischem Infinitiv für „teilen“, und von der griechischen Vokabel für „in eins“ abgeleitet. Trennende und koppelnde Bindestriche stehen niemals zwischen Leerzeichen. Man nutzt sie
  • für Worttrennungen am Zeilenende.
  • bei langen Zusammensetzungen und aneinandergereihten Wortgruppen („Donau-Dampfschifffahrt“, „Mund-zu-Mund-Propaganda“).
  • bei Zusammensetzungen fremdsprachiger und deutscher Wörter („Public-Relations-Abteilung“).
  • bei Zusammensetzungen, die mit Ziffern, Abkürzungen und einzelnen Buchstaben gebildet werden („40-jähriger Autofahrer“, „Kfz-Haftpflichtversicherung“, „i-Tüpfelchen“).
  • bei der Datumsangabe Jahr-Monat-Tag („2016-08-12“).
  • bei Angaben von Telefonnummern samt Durchwahl („0341 347687-350“).
  • beim Zusammentreffen dreier gleicher Buchstaben oder zweier Doppelvokale („Tee-Ei“, „Donau-Auen“).
  • um Missverständnissen vorzubeugen (um „Druck-Erzeugnis“ und „Drucker-Zeugnis“ zu unterscheiden).
  • um Zusammensetzungen gleichrangiger Adjektive lesbarer zu gestalten („blau-rote Kleider“, „deutsch-britisches Verhältnis“). Wird das zweite Adjektiv näher bestimmt, schließt es hingegen nicht an einen Bindestrich an („tiefrote Farbe“, „innerdeutsche Grenze“).

Gedankenstriche haben vornehmlich trennende Funktionen. Im Gegensatz zu Bindestrichen stehen sie in der Regel zwischen zwei Leerzeichen. Sie können durch Punkte, Doppelpunkte, Kommas oder Klammern ersetzt und als Alternative zum Minuszeichen verwendet werden. Gedankenstriche
  • kennzeichnen Sprechpausen, Themenwechsel und Gegenüberstellungen („kleiner Aufwand – große Wirkung“, „Gedankenstriche kündigen Unerwartetes an – Bindestriche nicht ...“).
  • grenzen Einschübe vom übrigen Text ab. Bei Einschüben in Form vollständiger Sätze folgt niemals ein Punkt. Frage- und Ausrufezeichen stehen dagegen unmittelbar hinter dem letzten Wort. Zum umschließenden Text gehörende Kommas müssen erhalten bleiben, das sonst notwendige Leerzeichen hinter dem Gedankenstrich entfällt („Gedankenstriche werden – allzu oft? – falsch verwendet ...“, „Gedankenstriche werden oft falsch verwendet – selbst Profis machen Fehler –, sollten jedoch ...“).
  • markieren anstelle dreier Punkte Auslassungen („Das ist doch –“).
  • ersetzen bei Zeit-, Datums- oder Ortsangaben die Präposition „bis“. Hier entfallen die üblicherweise gebotenen Leerzeichen („1980–1990“, „13–18 Uhr“, „10.–14. Juli“, „Leipzig–Ulm“).

Unter Windows lassen sich Gedankenstriche via Sonderzeichentabelle oder durch die „Alt“-Taste und die Ziffernblock-Folge 0150 generieren. Einfacher funktioniert der Befehl „Strg“ in Verbindung mit dem Minuszeichen im Ziffernblock. Bei eingeschalteter Autokorrektur werden zwischen Worten (oder einzelnen Buchstaben) und Leerzeichen gesetzte Bindestriche automatisch zu Gedankenstrichen umgeformt.

Falsche Leerzeichen und notwendige Lücken

Ein falsch platziertes Leerzeichen ist als Deppenleerzeichen in aller Munde. Derlei Ruhm teilt es mit dem inkorrekten Apostroph, dem sogenannten Deppenapostroph ...
Ein falsch platziertes Leerzeichen ist als Deppenleerzeichen in aller Munde. Derlei Ruhm teilt es mit dem inkorrekten Apostroph, dem sogenannten Deppenapostroph. Und wie beim Deppenapostroph ist der Einfluss des Englischen nicht ganz schuldlos. Doch auch (vermeintlich) suchmaschinenoptimierte Texte tragen zur Hochkonjunktur des Deppenleerzeichens bei. Umgekehrt fehlt das Leerzeichen allzu oft dort, wo es eigentlich hingehört: Höchste Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Das Kreuz mit dem Englischen


Engländer und Amerikaner schreiben Begriffe wie „science fiction“, „midlife crisis“ und „music festival“ getrennt – im Deutschen ist „Science Fiction“ ebenso falsch wie „Midlife Crisis“ und „Musik Festival“. Zusammengesetzte deutsche Wörter werden ohne Leerzeichen geschrieben und Anglizismen mit Bindestrichen gekoppelt oder zu einem Wort verbunden. Es heißt
  • „Science-Fiction“ oder „Sciencefiction“,
  • „Midlife-Crisis“ oder„Midlifecrisis“,
  • „Blackout“ oder „Black-out“,
  • „Audioguide“, „Highschool“ oder „Shootingstar“.
Andere Anglizismen bestehen auch im Deutschen aus zwei Wörtern. In der Regel handelt es sich um Verbindungen aus Adjektiven und Substantiven: Social Media, Public Relations, Global Player oder Happy Hour. Kommt ein deutsches Grundwort hinzu, müssen jedoch auch hier Bindestriche verwendet werden. Man schreibt
  • „Social Media“ und „Social-Media-Profil“ (statt „Social Media-Profil“ oder „Social Media Profil“),
  • „Public Relations“ und „Public-Relations-Abteilung“ (statt „Public Relations-Abteilung“ oder „Public Relations Abteilung“),
  • „Happy Hour“ und „Happy-Hour-Angebot“ (statt „Happy Hour-Angebot“ oder „Happy Hour Angebot“).

Leerzeichen setzen: Motiv Straßentänzer

Rechtschreibung à la Google


Google fragt regelmäßig nach. Ob ich „science fiction“ meine, wenn ich nach „Sciencefiction“ suche. Oder ob es um „roman übersetzung“ geht, sobald ich „Romanübersetzung“ eintippe. Dabei unterscheidet Google gar nicht mehr zwischen korrekten und fälschlicherweise mit Leerzeichen versehenen Schreibweisen. „Sciencefiction“, „Science-Fiction“ und „science fiction“ führen zu den gleichen und überwiegend in gleicher Reihenfolge gerankten Websites.

Viele Seitenbetreiber trennen zusammengesetzte Begriffe, weil der Durchschnittsdeutsche ebenfalls Einzelwörter in die Suchmaske eingibt. Doch letztlich liefert die unvermeidliche Suchmaschinenoptimierung keine plausible Entschuldigung für den Gebrauch des Deppenleerzeichens. Onlinetexte müssen nicht mit gängigen Suchbegriff-Schreibungen verschlagwortet werden. Ansprechende Internetangebote bestechen durch fehlerfreie Rechtschreibung – und wer fürs Netz schreibt, sollte keine Verunsicherungen über richtig oder falsch platzierte Leerzeichen schüren. Dass von Google angebotene Varianten wie „science fiction“ Verwirrung stiften, ist Nachteil genug.

Leerzeichen bei Abkürzungen, Maßeinheiten und Symbolen


Nicht nur Anglizismen und Websitetexte sind anfällig für Deppenleerzeichen. Auch Abkürzungen, Maßeinheiten, Währungszeichen und sonstige Symbole erweisen sich als beliebte Fehlerquellen. Eigentlich erstaunlich, denn Leerzeichen stehen immer
  • zwischen Abkürzungen wie „d. h.“, „u. a.“ und „z. B.“: Schließlich schreibt man auch „unter anderem“ und „zum Beispiel“ statt „unteranderem“ und „zumBeispiel“.
  • zwischen Zahlenangaben und abgekürzten Maßeinheiten: „23 °C“, „50 kg“ oder „200 m“, da man auch „50 Kilogramm“ und „200 Meter“ statt „50Kilogramm“ und „200Meter“ schreibt.
  • nach dem Paragrafensymbol „§“, vor dem Prozentsymbol „%“ oder vor Währungssymbolen wie „€“ und „$“: weil auch „zwanzig Prozent“ und „zehn Dollar“ mit Leerzeichen ... aber das kennen Sie inzwischen.
Knifflig wird es bei der Abkürzung „A“ für sämtliche Bundesautobahnen. Der Duden trifft keine klare Aussage, und gebräuchlich sind „A4“ oder „A9“ ebenso wie „A 4“ und „A 9“. Letztere Varianten sind die bessere Wahl: Immerhin fügt man auch bei „Autobahn 4“ und „Autobahn 9“ Leerzeichen ein.

Leerzeichen bei Satzzeichen


Auch bei Satzzeichen sind immer wieder Fehler zu beobachten. In folgenden Fällen dürfen keine Leerzeichen gesetzt werden:
  • vor und nach Schrägstrichen („CDU/CSU“, „Herbst/Winter“),
  • vor und häufig auch nach Bindestrichen („Ein- und Ausgang“, „Kfz-Werkstatt“, „g-Moll“),
  • vor Auslassungspunkten, sofern die drei Punkte einen einzelnen Wortteil ersetzen („schwierige Rechtschrei...“, „ständige Unterbr...“).
Obligatorisch sind Leerzeichen dann, wenn Auslassungspunkte volle Wörter oder Satzglieder ergänzen. Der Satzpunkt entfällt, Ausrufe- oder Fragezeichen schließen an: Man schreibt „Das ist doch ...“ und fragt „Das ist doch ...?“ Nicht zuletzt stehen Leerzeichen vor und in der Regel auch nach Gedankenstrichen: Dies ist, unter anderem, Thema meines Beitrags Bindestriche oder Gedankenstriche.

Bildnachweise

Foto „Stolpersteine“: © Daniel Nanescu / splitshire.com

Foto „Tautologien und Pleonasmen“: © Daniel Nanescu / splitshire.com

Foto „Eine verbreitete Plage: Das RAS-Syndrom“: © Jonathan Simcoe / unsplash.com

Foto „Chronischer Apostrophitis vorbeugen“: © Sandra Meinzenbach

Foto „Besondere Problemfälle: Satzzeichen nach Stichpunkten“: © Sensay / fotolia.com

Foto „Bindestriche oder Gedankenstriche?“: © Ryan McGuire / gratisography.com

Foto „Falsche Leerzeichen und notwendige Lücken“: © Andre Hunter / unsplash.com