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Plädoyer für korrekt gesetzte Leerzeichen

„SEO Strategie“, „Keyword Tools“, „Best Practice Beispiele“ oder „Last Minute Urlaub“: Fälschlicherweise mit Leerzeichen geschriebene Zusammensetzungen begegnen uns überall. Doch warum eigentlich? Und gibt es gute Gründe, auf Bindestriche zu verzichten? Gründe gibt es tatsächlich. Doch sie sind unangebracht: Achten Sie daher auf korrekte Rechtschreibung ...
„SEO Strategie“, „Keyword Tools“, „Best Practice Beispiele“ oder „Last Minute Urlaub“: Fälschlicherweise mit Leerzeichen geschriebene Zusammensetzungen begegnen uns überall. Doch warum eigentlich? Und gibt es gute Gründe, auf Bindestriche zu verzichten? Gründe gibt es tatsächlich. Doch sie sind unangebracht: Achten Sie daher auf korrekte Rechtschreibung – und erfreuen Sie Ihre Leser mit Texten ohne falsch gesetzte Leerzeichen.

"Plädoyer für korrekt gesetzte Leerzeichen" Motiv "Payback-Karte vergessen"

Vorsicht, Eigennamen!


Etliche Marken und Institutionen schreiben sich falsche Leerzeichen auf die Fahnen: Ritter Sport, das Hamburger Thalia Theater oder das Berliner Humboldt Forum. Bei Eigennamen sind solche Freiheiten erlaubt: Dass Zusammensetzungen mit Bindestrich zu schreiben sind, dürfen außen vor bleiben.
Das Problem ist nur: Werden solche Namen mit einem neuen Grundwort verbunden, sind kreative Freiräume tabu. Hier muss mit Bindestrichen geschrieben werden: bei „Ritter-Sport-Schokolade“ und „Humboldt-Forum-Eröffnung“, bei „SEO-Strategie“, „Best-Practice-Beispiele“ und „Last-Minute-Urlaub“.
Das heißt für Sie: Schreiben Sie Zusammensetzungen stets mit Bindestrichen oder lösen Sie Ihre Formulierungen auf. Denkbar wäre „Schokolade von Ritter Sport“ oder „Eröffnung des Humboldt Forums“: korrekte Alternativen, mit der die Eigenschreibweise mit Leerzeichen erhalten bleibt.

Vorsicht, Anglizismen!


Im Englischen werden Zusammensetzungen ohne Bindestrich geschrieben: „best practice“ und „best practice examples“, „online banking“ oder „fast food restaurant“. Im Deutschen haben wir etliche Anglizismen übernommen: „Best Practice“ ebenso wie „Online Banking“ und „Fast Food Restaurant“.
Leerzeichen übernehmen wir in vielen Fällen auch – obwohl sich der Duden bei „Onlinebanking“ für die Schreibung in einem Wort und bei „Fast-Food-Restaurant“ für Bindestriche ausspricht. Schlussendlich hilft also nur ein Blick ins Wörterbuch.
Grundsätzlich gilt: Zusammensetzungen mit einem neuen Grundwort werden auch im Falle von Anglizismen immer mit Bindestrichen geschrieben. Und zwar komplett: „Best-Practice-Beispiele“, „Fast-Food-Restaurant“ oder „Onlinebanking-Account“.

Entspannung bezüglich Google und der Suchmaschinenoptimierung


Eine weitere Fehlerquelle für falsche Leerzeichen ist die Suchmaschinenoptimierung (SEO). Denn wir neigen nun mal dazu, zusammengesetzte Wörter ohne den gebotenen Bindestrich in die Suchmaske einzugeben. Das spart Zeit und macht es uns bequem.
Das damit verbundene SEO-Argument lautet: Wenn ein Begriff wie „SEO-Strategie“ als Keyword gesetzt wird und wir alle nach „SEO Strategie“ googeln – dann muss „SEO Strategie“ und nicht etwa die korrekte Variante „SEO-Strategie“ im Websitetext verwendet werden. Am besten mehrfach, damit man weit vorne in den Google-Ergebnissen gelistet wird.
Doch mitnichten: Mit Bindestrichen unterbrochene Wörter liest Google tatsächlich als einzelne Wörter aus. Für eine gute Platzierung ist es vollkommen egal, ob Sie „Seo Strategie“ oder „SEO-Strategie“ nutzen. Und noch etwas anderes zählt für Google: Ihre Leser. Bündeln sich auf Ihrer Website zuhauf falsch gesetzte Leerzeichen, dann wird das unangenehm auffallen: Echter Mehrwert für Ihre Leser für Ihre Leser bleibt auf der Strecke.

Komma auf den Punkt: Satzzeichen nach Stichpunkten

Websitetexte brauchen Struktur. Und Ihre Flyer, Prospekte oder Firmenbroschüren auch. Stichpunkte sorgen für Übersichtlichkeit: Sie bieten Ihren Lesern Ankerpunkte, Sie lockern Ihre Texte auf. Doch was gilt in Sachen Zeichensetzung? Werden nach dem Stichpunkttext Kommas oder Schlusspunkte eingefügt ...
Websitetexte brauchen Struktur. Und Ihre Flyer, Prospekte oder Firmenbroschüren auch. Stichpunkte sorgen für Übersichtlichkeit: Sie bieten Ihren Lesern Ankerpunkte, Sie lockern Ihre Texte auf.
Doch was gilt in Sachen Zeichensetzung? Werden nach dem Stichpunkttext Kommas oder Schlusspunkte eingefügt oder nicht? Stichpunktlisten sind nichts anderes als Aufzählungen – und Aufzählungen werden durch Kommas getrennt. Dennoch kommt es bei Stichpunkten darauf an: ob Ihre Stichpunkte Sätze vervollständigen oder auf freistehende Zeilen folgen.

"Satzzeichen nach Stichpunkten", Motiv: mehrere Notizzettel mit Stichpunkten

Stichpunkte als Teile eines Satzes: Kommas, Semikolons, Satzpunkte


Ergänzen Sie mit Ihren Stichpunkten einen vorab begonnenen Teilsatz, gelten dieselben Regeln wie für Aufzählungen innerhalb eines Satzes. Auch bei Stichpunktlisten
  • schließen Sie die einzelnen Zeilen mit Kommas ab,
  • fügen Sie notwendige, vom Duden vorgeschriebene Satzzeichen in den Stichpunkttext ein,
  • können Sie, sofern Ihre Stichpunkte bereits Kommas enthalten und Sie übersichtlicher formulieren möchten, am Ende Semikolons setzen;
  • dürfen Sie beim vorletzten Stichpunkt anstelle des Kommas ein Bindewort („und“, „oder“ oder „sowie“) einschieben und
  • beenden Sie den letzten Stichpunkt mit einem Punkt.
Alternativ kann hinter jedem Stichpunkt ein Schlusspunkt stehen. Satzpunkte empfehlen sich bei längeren Texten: vor allem,
  • wenn Ihre Stichpunkte bereits Kommas, Doppelpunkte, Gedankenstriche oder Klammern enthalten – dann sorgt ein Punkt für einen präzisen Abschluss.
  • wenn Sie Wortgruppen um ganze Sätze ergänzen. Auch hier erleichtern Satzpunkte die Lesbarkeit.

Stichpunkte als Teile eines Satzes: Stilsichere Formulierungen


Sind Stichpunkte Teile eines Satzes, müssen sie grammatisch immer gleich aufgebaut sein. Ihre Texte müssen den einleitenden Teilsatz stimmig ergänzen: Verbinden Sie alle Stichpunkte mit diesem Teilsatz und prüfen Sie, ob Sie sinnvoll formulieren. So sehen Sie auch, ob Sie nach dem einleitenden Satzteil ein Komma setzen müssen oder ob ein Doppelpunkt denkbar ist. Fragen Sie sich,
  • ob Ihre Aufzählungsglieder Nebensätze sind: Weil Haupt- und Nebensatzkonstruktionen Kommas erfordern, gehört nach dem ankündigenden Hauptsatz ein Komma in den Text.
  • ob Sie in einem fortlaufenden Satz einen Doppelpunkt einfügen könnten: Dann darf nach der Anmoderation ebenfalls ein Doppelpunkt stehen.
  • wie Sie eine ganz normale Aufzählung gestalten würden. Sicherlich würden Sie dort keine Auslassungspunkte nutzen („Wir bieten … Handys, Notebooks und Tablets“). Daher sind Auslassungspunkte vor Ihren Stichpunkten und nach Ihrem einleitenden Teilsatz keine gute Wahl.

Stichpunkte nach freistehenden Zeilen: (Keine) Kommas und Satzpunkte


Mitunter ergänzen Stichpunkte keine Sätze, sondern sie schließen an Slogans wie „Unsere Angebote“ und „Unsere Empfehlungen“ an. Solche (sogenannten kolumnenartigen) Aufzählungen heben sich in den meisten Fällen vom übrigen Text einer Website oder eines Flyers ab.
Zudem folgt nach „Unsere Angebote“ oder „Unsere Empfehlungen“ oft ein Doppelpunkt.
Hier sind Kommas oder Schlusspunkte nach den Stichpunkttexten vorgeschrieben – eigentlich, denn diese Zeichen können Sie sich schenken. Beispielsweise bei Hinweisen auf

Unsere Sonderangebote:
  • Fahrradschlösser(,)
  • Fahrradtaschen(,)
  • Reflektoren für gute Sichtbarkeit(.)

Sie sollten tatsächlich auf Satzzeichen verzichten. Kommas und Satzpunkte stören immer irgendwie: vor allem dann, wenn kolumnenartige Aufzählungen nur aus einzelnen Stichwörtern bestehen.
Besteht Ihre Aufzählung jedoch aus vollständigen Sätzen, müssen Sie Schlusspunkte setzen. Unter anderem bei

Unser Programm am Tag der offenen Tür:
  • Die Geschäftsführerin stellt sich vor.
  • Unsere Mitarbeiter zeigen Ihnen ihre Arbeitsplätze.
  • Im Innenhof erwartet Sie ein buntes Unterhaltungsprogramm.

Selbstverständlich wird das erste Wort solcher Ganzsätze großgeschrieben. Zählen Sie jedoch bloß Wortgruppen auf, richtet sich die Schreibung nach der Wortart: Substantive schreiben Sie groß und Adjektive, Artikel, Pronomen oder Präpositionen schreiben Sie klein.

Tautologien und Pleonasmen: Von wirkungsvollen Stilmitteln und unschönen Stilfehlern

Wiederholungen sind eine gute Sache. Wortwörtliche Wiederholungen setzen Akzente und sorgen für gewisse Rhythmik. Daneben gibt es Wiederholungen in Form von Synonymen: von Wörtern, die denselben Gedanken ausdrücken. Diese Wiederholungen können absolut nichtssagend oder wirkungsvoll eingesetzte Stilmittel sein. Doch wann handelt es sich um bloße Phrasen ...
Wiederholungen sind eine gute Sache. Wortwörtliche Wiederholungen setzen Akzente und sorgen für gewisse Rhythmik. Daneben gibt es Wiederholungen in Form von Synonymen: von Wörtern, die denselben Gedanken ausdrücken. Diese Wiederholungen können absolut nichtssagend oder wirkungsvoll eingesetzte Stilmittel sein. Doch wann handelt es sich um bloße Phrasen und wann um effektiven Stil? Zeit für einen Überblick.

"Tautologien und Pleonasmen": Motiv Smartphone, Notebook (auf dem eine Brille liegt) und eine Mouse

Wiederholungen: Ja, bitte


Wiederholungen sinngleicher Wörter unterstreichen und verstärken Ihre Botschaften. Solche Doppelaussagen werden als Tautologien bezeichnet – und Tautologien mit gleichen Anfangsbuchstaben (sogenannte Alliterationen) bringen zusätzliche Dynamik in Ihre Formulierungen ein: Wortpaare wie
  • nie und nimmer,
  • stets und ständig,
  • klipp und klar,
  • voll und ganz,
  • einzig und allein oder
  • immer und ewig.
Mit Pleonasmen erzielen Sie ähnliche Effekte. Bei Pleonasmen geht’s um Zusammensetzungen (oder um Verbindungen von Adjektiven und Substantiven: dazu unten mehr). Diese Zusammensetzungen wiederholen Selbstverständliches. Daher haben Pleonasmen keinen guten Ruf. Doch viele vermeintlich unnötige Wiederholungen sind als feste Fügungen in aller Munde. Auch sie pointieren – und sie steuern die Aufmerksamkeit Ihrer Leser: Wörter wie
  • stillschweigend,
  • schlussendlich,
  • zu allererst oder
  • klammheimlich.
Nutzen Sie Pleonasmen und Tautologien, um Ihre Aussagen zu betonen: Rhetorische Wiederholungen machen Ihre Texte lebendiger und farbiger.

Wiederholungen: Nein, danke


Heikel wird es bei Pleonasmen ohne betonte Verstärkung: bei inhaltlichen Verdoppelungen ohne jeglichen Mehrwert. Solche Pleonasmen tauchen vornehmlich in typischem Werbejargon auf. Wenn Sie Ihre eigenen Angebote besonders werbewirksam beschreiben wollen, dann achten Sie auf Ihre Adjektive. Und auf zusammengesetzte Substantive. Oft sind Zusammensetzungen überflüssig: Oft reicht das Grundwort (das Substantiv, dass am weitesten rechts steht) vollkommen aus. Auch viele Adjektive sind überflüssig: beispielsweise bei
  • Gratisgeschenken,
  • Zukunftsprognosen,
  • nützlichen Vorteilen,
  • seltenen Raritäten,
  • einzigartigen Unikaten oder
  • weiblichen Gründerinnen.
Geschenke sind immer gratis, Vorteile sind immer nützlich und Raritäten stets selten. Jedes Unikat ist einzigartig, Prognosen blicken als Vorhersagen immer in die Zukunft. Und wenn Gründerinnen weiblich sind, dann sind Männer vielleicht ... männliche Gründerinnen?
Guter Stil kommt ohne überflüssige Wiederholungen aus. Ohne Begriffe wie „BIT-Technologie“ und „LCD-Display“ übrigens auch. Denn wenn Sie für die neueste BIT-Technologien werben, werben Sie für „Business-Information-Technology-Technologien“. Und wenn Sie die LCD-Displays Ihrer neuesten Flachbildschirme anpreisen, sprechen Sie von „Liquid-Crystal-Display-Displays“. Sie leiden am RAS-Syndrom – und dieses Syndrom ist einen eigenen Blogbeitrag wert.

Eine verbreitete Plage: Das RAS-Syndrom

Sie sind aus unserem Wortschatz nicht mehr wegzudenken: Akronyme. Das sind Abkürzungen, die aus den Anfangsbuchstaben mehrerer (zusammengesetzter) Wörter bestehen: Kürzel wie AGB, EDV, IBAN, DAX und SMS. Oder Firmennamen wie RWE und BASF. Weniger bekannt ist das RAS, das „redundante Akronym-Syndrom“. Oder besser gesagt das RAS-Syndrom ...
Sie sind aus unserem Wortschatz nicht mehr wegzudenken: Akronyme. Das sind Abkürzungen, die aus den Anfangsbuchstaben mehrerer (zusammengesetzter) Wörter bestehen: Kürzel wie AGB, EDV, IBAN, DAX und SMS. Oder Firmennamen wie RWE und BASF.
Weniger bekannt ist das RAS, das „redundante Akronym-Syndrom“. Oder besser gesagt das RAS-Syndrom: das überflüssige Hinzufügen eines Wortes, das bereits mit dem letzten Buchstaben des Akronyms bezeichnet wird. Das RAS-Syndrom begegnet uns unter anderem bei
  • BASF-Fabrik (Badische Anilin- und Soda-Fabrik-Fabrik),
  • DAX-Index (Deutscher-Aktienindex-Index),
  • IBAN-Nummer (International-Bank-Account-Number-Nummer),
  • HTTP-Protokoll (Hypertext-Transfer-Protocol-Protokoll) und
  • PDF-Format (Portable-Document-Format-Format).
"Eine weit verbreitete Plage: Das RAS-Syndrom": Motiv: Schild mit der Aufschrift "Ask more questions" Solche Doppelungen entstehen aus Unwissenheit. Wir nutzen Akronyme, ohne uns ihre Bedeutung ins Gedächtnis zu rufen. Oder wir wissen gar nicht, welche Wörter sich hinter den Abkürzungen in unseren Texten verbergen:
  • dass BASF für „Badische Anilin- und Soda-Fabrik“ steht,
  • dass RWE als Kürzel für „Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk“ dient oder
  • dass HTTP „Hypertext Transfer Protocol“ bedeutet.

Kein Wunder, dass sich das RAS-Syndrom bei Eigennamen und Fachbegriffen besonders gerne einschleicht. Doch fehlendes Wissen um die Wörter hinter einem Akronym macht sich auch umgekehrt bemerkbar. Manche Zusammensetzungen werden als unnötige Verdoppelungen eingestuft und sind dennoch völlig korrekt.
  • DIN-Norm zum Beispiel: Mit DIN ist das Deutsche Institut für Normung und keine konkrete Norm gemeint,
  • und mit SMS-Nachricht verbergen sich die Wörter „Short Message Service“. Mit „SMS“ bezeichnen Sie einen Nachrichtendienst, nicht aber Ihre Nachricht.

Um Fehler zu vermeiden, hilft nur eins – unbekannten Akronymen auf den Grund gehen. Datenbanken wie der englische Akronym-Finder oder das deutsche Woxikon listen zahllose Abkürzungen und ihre Bedeutungen. So können Sie überflüssige Wiederholungen streichen.
Und für den Fall, dass Ihnen Kürzel wie IBAN, PDF oder DAX allzu abgehackt vorkommen? Ergänzen Sie einfach Wörter, die nicht in Ihrem Akronym enthalten sind. Zum Beispiel
  • „IBAN-Überweisung“ statt „Überweisung mittels IBAN-Nummer“,
  • „PDF-Datei“ statt „Datei im PDF-Format“ oder
  • „die aktuelle Dax-Entwicklung“ statt „der aktuelle DAX-Index“.

Ist der volle Begriff gebräuchlich und nicht allzu komplex, können Sie natürlich gerne auch ausschreiben: Auch „Deutscher Aktienindex“ ist eine gute Wahl.

Bildnachweise

„Plädoyer für korrekt gesetzte Leerzeichen“: © Sandra Meinzenbach

„Satzzeichen nach Stichpunkten“: © Pexels | pixabay.com

„Tautologien und Pleonasmen“: © Jesus Kiteque | unsplash.com

„Das RAS-Syndrom“: © Jonathan Simcoe | unsplash.com