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Ratgeber

Professionelle Websitetexte: So geht’s

Wenn wir im Internet surfen, bleiben wir auf gut gemachten Websites hängen. Nutzerfreundlichkeit ist das A und O: um Besucher zu halten, sie als Leser zu begeistern und sie als Kunden zu gewinnen. Dazu braucht es ...
Wenn wir im Internet surfen, bleiben wir auf gut gemachten Websites hängen. Nutzerfreundlichkeit ist das A und O: um Besucher zu halten, sie als Leser zu begeistern und sie als Kunden zu gewinnen. Dazu braucht es übersichtliche Navigationsmenüs, klare Strukturen – und Websitetexte, die sich an das Leseverhalten im Internet anpassen.

Lesen im Netz


Bücher, Zeitungsartikel oder Computerausdrucke lesen wir aufmerksam und linear: von links nach rechts und vom Textanfang bis zum Ende. Im Internet lesen wir langsamer, vor allem aber selektiv. Unser Blick springt. Wir wünschen uns schnell verfügbare Informationen: Wir scannen Websitetexte, suchen nach bestimmten Keywords und bleiben an Bildern, Überschriften und Aufzählungen hängen. Finden wir nicht auf Anhieb, was wir brauchen, klicken wir die nächste Seite an. Mehr als 80 Prozent aller Internetnutzer verfahren so. Dosierte Informationen und optimal gestaltete Texte kommen dem Lesen am Bildschirm entgegen. Professionelle Websitetexte bieten
  • aussagekräftige Überschriften und Zwischenüberschriften,
  • das Wichtigste zuerst,
  • kurze Textblöcke mit klar abgezirkelten Informationen,
  • Aufzählungen,
  • an den Textinhalt angepasste Fotos, Grafiken oder Videos.

Laptop, Notizblock und Brille auf altem Holztisch: Professionelle Websitetexte verfassen - Formulierungstipps für Leserfreundlichkeit im Internet

Websitetexte und die richtige Perspektive


Auf den richtigen Blickwinkel kommt es an. Ganz egal, ob Firmenwebsite, Online-Shop oder Dienstleistungsangebot: Nicht die Selbstdarstellung des Seitenbetreibers, sondern der Mehrwert für die Leser zählt. Professionelle Websitetexte punkten mit folgenden Merkmalen:
  • Kein Eigenlob: Vorteilhafte Texte versprechen weder das Beste noch das Großartigste, sondern sie zeigen und überzeugen.
  • Direkte Leseransprache: Aussagen wie „Wir führen ein individuelles Beratungsgespräch“ und „Sie erhalten ein detailliertes Angebot“ schaffen Nähe. Und rhetorische Fragen erzeugen eine Art Dialog. Der Leser und potenzielle Kunde fühlt sich eingebunden – nicht aber belehrt.
  • Eigenständigkeit: Kaum ein Internetnutzer liest eine Website von vorn bis hinten. Gleichfalls steigen viele Leser nicht auf der Startseite, sondern auf Unterseiten ein. Daher muss jeder Websitetext für sich allein stehen. Basiswissen vorauszusetzen, ist kontraproduktiv.
  • Handlungsaufforderungen: Weiterlesen, sich im Angebot umschauen, ein Produkt bestellen oder ein Beratungsgespräch vereinbaren – das kommt der aktiven Haltung beim Surfen im Netz entgegen. Wer im Internet unterwegs ist, will klicken, Dateien herunterladen, Kommentare schreiben oder anderes tun: nämlich weiterlesen, sich im Angebot umschauen oder Kontakt aufnehmen.

Websitetexte und der richtige Stil


Professionelle Websitetexte überzeugen durch leichte, sachliche und dennoch anschauliche Sprache. Idealerweise stellen sie auch komplexe Sachverhalte klar und verständlich dar. Das funktioniert mit folgenden Tipps und Tricks:
  • Mehr oder weniger kurze Sätze: Komplizierte Schachtelsätze mögen auf Papier funktionieren – nicht aber im Internet. Klug platzierte Satzzeichen wirken Wunder. Doppelpunkte oder Gedankenstriche helfen, Textpassagen zu trennen. Klammern hingegen integrieren Zusatzinformationen flüssig in den Text.
  • Kurze, prägnante Worte: Geläufige Begriffe werden verstanden – Fremdwörter machen es dem Leser schwer. Und bei Wortungetümen wie „Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung“ empfehlen sich Bindestriche. „KFZ-Haftpflichtversicherung“ liest sich doch gleich viel besser.
  • Aktive Sprache: Das grammatische Aktiv macht weniger Worte und wirkt weitaus dynamischer als das Passiv. Zwischen „Ihr Text wird von mir lektoriert“ und „Ich lektoriere Ihren Text“ liegen Welten. Ausnahmen bestätigen die Regel: Sparsam eingesetzte Passivkonstruktionen bringen Abwechslung in Websitetexte.
  • Verben statt Substantive: Verben drücken die Dinge direkter und unmittelbarer aus. „Ein Lektor überprüft Orthografie und Grammatik“ klingt sehr viel prägnanter als „Ein Lektor sorgt für die Überprüfung von Orthografie und Grammatik“.
  • Dosierte Füllwörter: Füllwörter sind nicht grundsätzlich schlecht. Sogenannte Modalpartikel wie „nur“, „doch“ oder „vielleicht“ illustrieren und stellen Zusammenhänge her. Aber was einen Text unnötig aufbläht, ist fehl am Platz.
  • Ausgewogen eingesetzte Keywords: Websitetexte werden nicht nur für Menschen, sondern auch für Suchmaschinen geschrieben. Das darf kein Leser merken. Exzessiv verwendete Schlagwörter mit etwas Fülltext schrecken ab – und werden selbst von Google und Co. als Keyword-Spam erkannt.
Die wichtigsten Informationen eines Websitetextes können durch Fettierungen hervorgehoben werden. Doch auch hier gilt: Weniger ist mehr. Unterstreichungen machen üblicherweise Links kenntlich, sollten also auch Verlinkungen vorbehalten bleiben. Kursive Schrift wiederum kann man nutzen, um Zitate oder Buchtitel zu kennzeichnen – ich persönlich ziehe jedoch Anführungszeichen vor.

Ausschlaggebend für professionelle SEO: Text, Text, Text

Klug konzipierte Websitetexte sind die Grundlage für professionelle Suchmaschinenoptimierung, kurz: SEO. Nehmen Sie sich die Maxime „Content is king“ zu Herzen – dann verhelfen Sie Ihrem Online-Auftritt ...
Klug konzipierte Websitetexte sind die Grundlage für professionelle Suchmaschinenoptimierung, kurz: SEO. Nehmen Sie sich die Maxime „Content is king“ zu Herzen – dann verhelfen Sie Ihrem Online-Auftritt zu guten Rankings. Denn interessante, informative Beiträge setzen nicht nur wichtige Keywords in Szene. Sie ziehen Leser an und schaffen optimale Voraussetzungen für den indirekten Backlinkaufbau. Zugegeben: Als Texterin und Buchautorin kann ich aus dem Vollen schöpfen. Doch auch Handwerkern, Einzelhändlern und Kleinunternehmern, Maklern, Architekten und allen anderen Berufsgruppen bieten sich unterschiedlichste Möglichkeiten. Ich empfehle folgende Textformate:

Inhaber- und Mitarbeiterbiografien: Informationen über Ansprechpartner und Team stellen eine erste Verbindung zu den Besuchern Ihrer Website her. In Angaben zu Ausbildung, Berufsstationen und Tätigkeitsschwerpunkten lassen sich mühelos branchentypische Keywords unterbringen.

Firmengeschichte: Ein Überblick über Firmengründung und -entwicklung lohnt sich bereits für kleine Betriebe und Unternehmen. Es muss keine umfassende Unternehmenschronik sein. Auch eine kurze Darstellung liefert den Besuchern Ihrer Website unmittelbaren Mehrwert und Ihnen selbst dienliche Keywords.

Arbeitsproben: Für Designer, Fotografen, Texter oder Journalisten sind Arbeitsproben längst obligatorisch. Doch auch für Handwerksberufe gilt: Zeigen Sie, was Sie können – und zwar mit Bildern und mit Texten. Ergänzen Sie aussagekräftige Abbildungen um ebenso aussagekräftige Beschreibungen. Auch hier gewinnen Sie fast automatisch relevante Keywords.

Ratgeber: Wie pflege ich meine teuren Holzmöbel am besten? Welche Farben und Textilien bringen Ihre Wohnräume optimal zur Geltung? Und wie mache ich meinen Garten winterfest? Beantworten Sie solche Fragen auf einer Ratgeberseite Ihrer Tischlerei, Ihres Innenarchitekturbüros oder Ihrer Gärtnerei. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, und ein Eigentor schießen Sie damit gewiss nicht. Im Gegenteil: Anregungen und Empfehlungen zeugen von Ihrer Kompetenz.

Wissenswertes: Präsentieren Sie aufschlussreiche, mit dosierten Keywords versehene Texte rund um Ihren Beruf. Sie brauchen keine offensive Werbesprache. Wer auf Ihrer Website landet, weiß bereits, warum er Sie googelt. Dass Sie der richtige Ansprechpartner sind, haben Sie (hoffentlich) in Ihrem Angebotsprofil deutlich gemacht. Schreiben Sie in der Rubrik „Wissenswertes“ über Esskultur, wenn Sie ein Küchenstudio oder ein Restaurant betreiben. Stellen Sie Beiträge zu Arbeitsmaterialien, Arbeitstechniken und aktuellen Trends ein, wenn Sie Goldschmied, Optikerin oder Friseur sind. Und geben Sie Einführungen in die Grundlagen Ihres Fachs, wenn Sie eine Kanzlei oder eine Arztpraxis führen.

Glossar: Ein Glossar oder ein Lexikon bietet Raum für grundlegende Keywords. Erläutern Sie branchen- und berufsspezifische Dinge in Kürze. Ich empfehle etwa 50 bis 60 Wörter. Ihr Glossar bleibt übersichtlich und dennoch informativ.

Blog: In einem eigenen Blog können Sie Texte ohne Ende entwickeln. Schreiben Sie zu Themen, die Ihren Berufsalltag berühren: Beiträge mit ausschlaggebenden Keywords ergeben sich wie von selbst. Allerdings bietet sich ein Blog nicht für jedermann an. Wem Schreiben nicht liegt und wer die Textarbeit nicht delegieren kann, muss immer wieder Texte kaufen oder auf usergenerierten Content (zum Beispiel auf reine Kommentarbereiche) zurückgreifen. Beeinflussen können Sie die Inhalte Ihres Blogs in letzterem Fall nur bedingt.

Interviews: Veröffentlichen Sie auf Ihrem Blog oder Ihrer Website Interviews mit Kollegen, Kooperationspartnern oder Spezialisten. Passende Themen garantieren passende Keywords. Darüber hinaus werden Ihre Gesprächspartner Ihre Interviews verlinken, auf Ihre Website verweisen und indirekt für Sie werben.

Für alle Formate gilt: Denken Sie daran, dass wir Websitetexte anders lesen als ein Buch oder die Printausgabe der Zeitung. Tipps und Tricks finden Sie in meinem Beitrag Professionelle Websitetexte: So geht’s. Professionelle SEO wiederum erfordert einzigartige Inhalte (sogenannten Unique Content). Sobald Google deckungsgleiche Texte identifiziert, taucht lediglich eine Version weit oben in den Suchergebnissen auf. Doppelter Content wird niedriger eingestuft oder gar nicht mehr angezeigt.

Stellen Sie also nicht einfach Beiträge ein, die Sie bereits anderswo veröffentlicht haben. Und schreiben Sie immer selbst oder geben Sie individuelle Texte in Auftrag: Von fremden Websites zu kopieren, ist laut Urheberrechtsgesetz strafbar. Weil Google nicht erkennt, welche Varianten Originale und welche Kopien sind, fliegt mitunter die originale Seite aus dem Index. Daher wird jeder Websitebetreiber gegen Textdiebstahl vorgehen. Das sollten Sie im Fall der Fälle natürlich auch tun. Näheres erfahren Sie in meinem Interview mit Rechtsanwalt Daniel Baumgärtner.

Kunden in den Mittelpunkt: Kleiner Crashkurs in Sachen kundenorientiertes Schreiben

Ideale Kundenkommunikation kommt den Bedürfnissen künftiger Käufer oder Auftraggeber entgegen. Potenzielle Interessenten lesen Ihre Websitetexte, Flyer oder Broschüren nicht, weil sie sich ...
Ideale Kundenkommunikation kommt den Bedürfnissen künftiger Käufer oder Auftraggeber entgegen. Potenzielle Interessenten lesen Ihre Websitetexte, Flyer oder Broschüren nicht, weil sie sich für Ihre Firma interessieren – sondern weil sie nach Lösungen für persönliche Anliegen oder Probleme suchen. Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler, wie ein oft zitiertes Sprichwort sagt. Schreiben Sie Ihre Firmentexte also stets aus der Perspektive Ihrer Kunden. Folgende Checkliste hilft Ihnen dabei.

Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler: Angler am Strand

Ihre Informationen dienen Ihren Kunden


Müssen Ihre Leser wissen, dass Ihre Firma einen neuen Geschäftsführer hat? Nicht unbedingt. Sollten Sie Ihren Lesern sagen, dass dieser neue Geschäftsführer das Angebot erweitert oder neue Preise einführt? Auf jeden Fall. Verbinden Sie Firmeninformationen mit wissenswerten Botschaften und stellen Sie Vorteile für Ihre Kunden heraus. Erkennen Ihre Kunden keinen persönlichen Mehrwert, werden sie Ihre Texte gelangweilt beiseitelegen.

Sie reden nicht nur über sich


Bespiegeln Sie sich nicht selbst, sondern wenden Sie sich an Ihre Leser. Prüfen Sie, wie oft die Pronomen „ich“, „mein“, „wir“ (die Firma!) und „unser“ (unsere Firma!) in Ihren Texten auftauchen. Zählen Sie gleichfalls, wie oft Sie Ihre Kunden mit „Sie“, „Ihre“, „wir“ (wir gemeinsam!) und „unser“ (unsere Zusammenarbeit!) ansprechen. Überwiegen Wörter wie „ich“, „mein“ und „wir“ (die Firma!), dann brauchen Sie eine gezieltere Kundenansprache: Überarbeiten Sie Ihren Text.

Sie sprechen mit Ihren Kunden


Gute Werbetexte zeichnen sich nicht nur durch direkte Leseransprache aus. Sie sind zugleich imaginäre Dialoge. Stellen Sie sich beim Schreiben vor, Sie würden mit einem interessierten Kunden reden. Nehmen Sie seine Wünsche, Fragen oder Einwände vorweg: Stehen Sie für Rückfragen bereit, bieten Sie Beratung, Entscheidungshilfen und Kontaktmöglichkeiten an. Idealerweise erwähnen Sie auch, welche Ihrer Mitarbeiter bestimmte Anliegen betreuen.

Ihre Aussagen sind konkret und bildhaft


Sie werben für Ihr „großes Angebot“? Sie sprechen von Ihren „umfassenden Kompetenzen“? Oder Sie preisen Ihre „innovativen Produkte“? Werden Sie stattdessen konkret: mit Hinweisen auf „über 1.000 Artikel“ und Angaben zu Ihren Weiterbildungen. Oder mit Informationen über das Können Ihres beliebtesten Brotbackautomaten oder Ihres neuesten Tablets. Behaupten Sie nicht, sondern zeigen Sie. Konkrete Tipps finden Sie in meinem Beitrag Zeigen Sie’s Ihren Lesern.

Sie setzen kein Insiderwissen voraus


Beurteilen Sie Ihre Texte mit etwas Abstand: Erwähnen Sie Dinge, die lediglich Experten wie Ihnen geläufig sind? Streichen Sie überflüssige Fachinformationen und erklären Sie, was unbedingt angesprochen werden muss. Ordnen Sie Funktionen und Eigenschaften Ihrer Produkte ein. Und beschreiben Sie Herstellungsprozesse oder Arbeitsabläufe einfach und verständlich. Lassen Sie Ihre Texte im Zweifelsfall gegenlesen oder von einem professionellen Lektor überprüfen.

Sie verwenden keine Fachbegriffe


„Das Kreditrisiko gegenüber Finanzinstituten und Emittenten von Wertpapieren ergibt sich vor allem aus der Anlage liquider Mittel im Rahmen des Liquiditätsmanagements sowie durch den Einsatz derivativer Finanzinstrumente“, schreibt der Autohersteller Daimler. Solche Sätze sind schwer zu lesen und kaum verständlich. Verzichten Sie daher auf Fachjargon und Fremdwörter. Halten Sie sich auch dann zurück, wenn branchentypische Fachbegriffe zum allgemeinen Sprachschatz gehören und von jedermann verstanden werden.

Sie verzichten auf Abkürzungen


Jeder Werbetexter weiß, dass sich hinter „AIDA“ keine Kreuzfahrt, sondern die Formel „Attention, Interest, Desire, Action“ verbirgt. Und Textdienstleister wissen, dass mit „VFLL“ der Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren gemeint ist. Außenstehende können solche Kürzel nicht deuten. Schreiben Sie fachspezifische Abkürzungen also stets aus. Ausnahmen dürfen Sie sich lediglich bei allgemein bekannten Kurzformen wie "BAföG", "ver.di" oder "BWL" erlauben.

Zeigen Sie’s Ihren Lesern: Überzeugend werben, prägnant informieren

Sie fehlt in keinem Schreibratgeber und in keiner Autorenschule: die Zauberformel „zeigen statt behaupten“. Routinierte Schriftsteller treffen keine simplen Aussagen ...
Sie fehlt in keinem Schreibratgeber und in keiner Autorenschule: die Zauberformel „zeigen statt behaupten“. Routinierte Schriftsteller treffen keine simplen Aussagen, sondern sie illustrieren und beweisen. Ian McEwan hätte schlicht und einfach erwähnen können, dass Emily Tallis einen Migräneanfall bekam. Stattdessen entfaltet sich in seinem Roman „Abbitte“ ein assoziativer Bilderreigen. Denn „sie spürte keinen Schmerz, noch nicht, fühlte ihn aber nahen. Leuchtende Punkte glühten in ihrem Blickfeld auf, kleine Nadellöcher, als würde der abgewetzte Stoff der sichtbaren Welt vor ein weit helleres Licht gehalten.“1

Was für Bücher gilt, gilt auch für Websitetexte, Firmenwerbung, Produktangebote oder Blogbeiträge. Zumindest dann, wenn Sie Ihre Leser beeindrucken und überzeugen wollen. Glaubhafte Eigenwerbung zeichnet sich durch indirekte Belege aus – und überlässt Ihren Kunden die richtigen Schlüsse.

Dalmatiner und Ventilator als Metapher für bildhafte Sprache: Zeigen statt behaupten

Zeigen statt behaupten: Bildhaft formulieren


Behaupten Sie nicht, dass Sie die kreativste Designerin, die erstklassigste Marketing-Agentur oder der innovativste Maschinenhersteller sind. Zeigen Sie stattdessen Ihre erstklassigsten Arbeiten und Ihre innovativsten Produkte. In Form von
  • Fotos, Entwürfen oder Grafiken,
  • Dokumentationen gelungener Kampagnen,
  • kleinen Erfolgsgeschichten zur Verarbeitung und Verwendung Ihrer Produkte.

Behaupten Sie nicht, dass Sie der beste Finanzberater, die kompetenteste Anwältin oder die professionellste Kfz-Werkstatt sind. Zeigen Sie stattdessen Ihre Kompetenz und Professionalität. Zum Beispiel mit
  • einem eigenen Blog und informellen Beiträgen rund um Ihren Beruf oder Ihre Dienstleistungen,
  • berufsspezifischen Ratgebertexten auf Ihrer Website,
  • fachlichen Tipps in Broschürenform.

Behaupten Sie nicht, dass Sie der kundenfreundlichste Reiseveranstalter oder der zuverlässigste Handwerker sind: Treten Sie kunden- und serviceorientiert auf. Dabei helfen Ihnen Websitetexte und Geschäftsbriefe mit
  • direkter Leseransprache: mit den Pronomen „Sie“, „Ihr“ oder „Ihre“ statt ständiger „Ich“- und „Wir“-Formulierungen.
  • aufgezeigten Kundenvorteilen: mit Hinweisen auf den Mehrwert Ihrer Angebote oder konkreten Lösungsvorschlägen.
  • plausiblen Begründungen: mit nachvollziehbar erläuterten Arbeitsabläufen oder Firmenentscheidungen.

Behaupten statt zeigen: Stichhaltig informieren


Kurze, postulierende Aussagen sind nicht grundsätzlich schlecht. Der Grundsatz „behaupten statt zeigen“ empfiehlt sich dann, wenn Sie Aufmerksamkeit erregen wollen. Oder wenn Sie übersichtliche Informationen weitergeben möchten. Beispielsweise in
  • Überschriften und Zwischenüberschriften,
  • Teasern und Zusammenfassungen,
  • Aufzählungen von Produkten, Leistungen oder Angeboten,
  • Preisinformationen.

Behauptungen statt illustrierender Beschreibungen sind gleichfalls geboten, wenn es um Berichte oder Dokumentationen geht. Schreiben Sie über Fakten (wie ich über die Einführung der neuen deutschen Rechtschreibung), dann brauchen Sie eine sachliche Sprache. Und geben Sie fachliche Tipps (wie ich in meinem Beitrag über Corporate Language), sollten Sie sich klar und bündig ausdrücken. Sie erinnern sich sicherlich: Mit berufs- und qualifikationsbezogenen Texten zeigen Sie Ihre Kompetenz. Manchmal tragen auch Behauptungen zu überzeugender Eigenwerbung bei.

1 McEwan, Ian: „Abbitte“. Zürich, 2002, S. 92.

Corporate Language macht nicht nur Großkonzerne unverwechselbar

„Corporate Language: einheitliche unternehmensspezifische Sprache, die ein wesentlicher Bestandteil des Corporate Behavior ist. Sie übt einen erheblichen Einfluss auf die Corporate Identity ...
„Corporate Language: einheitliche unternehmensspezifische Sprache, die ein wesentlicher Bestandteil des Corporate Behavior ist. Sie übt einen erheblichen Einfluss auf die Corporate Identity (nach innen wie nach außen) und damit auf das Corporate Image aus.“ (Gabler Wirtschaftslexikon)

Corporate Language nutzen


Erfolgreiche Unternehmen positionieren sich. Mit einem bestimmten Auftreten (Corporate Behavior) und einem klug in Szene gesetzten Selbstverständnis (Corporate Identity). Mit einheitlicher visueller Gestaltung (Corporate Design). Und mit passgenauer Sprache. Corporate Language, kurz CL, besitzt Wiedererkennungswert. Wer sie nutzt, steigert seine Bekanntheit und hebt sich von der Konkurrenz ab. Große Firmen leiten aus ihrer Unternehmensphilosophie und ihren Kernwerten wohldurchdachte Sprachregeln ab. Dafür fehlt mir die Zeit, denken Sie jetzt vielleicht. Dabei sind die Grundlagen der Corporate Language gar nicht so schwer. Schon einfache Regeln sorgen für professionelle Kommunikation und effektive Kundenbindungen.

Corporate Language macht nicht nur Großkonzerne unverwechselbar: Tipps für die unternehmensspezifische Sprache

Corporate Language entwickeln


Einheitlicher Stil: Corporate Language braucht einen unverkennbaren Klang: dynamisch oder sachlich, locker oder seriös, emotional oder anspruchsvoll. Entscheiden Sie mit Blick auf Ihre Firma, Ihre Zielgruppe und Ihre Angebote – und behalten Sie Ihren persönlichen Stil durchgängig bei. Selbst in Auftragsbestätigungen und in der Abwesenheitsnotiz Ihres Mailprogramms.

Einheitliche Kundenansprache: Förmliches „Sie“ oder persönliches „Du“? Auch das hängt von Ihrer Firma und Ihrer Zielgruppe ab. Für Traditionsunternehmen, Versicherungen und Steuerbüros gilt natürlich das „Sie“. Junges Publikum, flache Hierarchien und Fitness- oder Freizeitangebote sprechen dagegen für das freundschaftliche „Du“. Einmal eingeführt, bleibt auch das Duzen für alle Textformate verbindlich.

Klare, assoziative Worte: Mit bürokratischen Formulierungen, technischen Ausdrücken und Fachbegriffen kommt keine Corporate Language auf. Allein anschauliche Texte haben Wiedererkennungswert. Schreiben Sie also verständlich und bildhaft. Holen Sie Ihre Leser auf emotionaler Ebene ab – weil „Sag der Unordnung Gute Nacht“ aus dem Haus IKEA viel interessanter klingt als „Stauraumbetten günstig online kaufen“.

Einheitliche Orthografie: Die Rechtschreibreform hat uns unterschiedlichste Schreibvarianten beschert. „Selbständig“ und „selbstständig“, „Biografie“ und „Biographie“, „infrage kommen“ und „in Frage kommen“: Das alles ist laut neuer deutscher Rechtschreibung korrekt. Verwenden Sie alternative Schreibungen jedoch nicht wild durcheinander. Corporate Language setzt orthografische Einheitlichkeit voraus: auf Ihrer Website, in E-Mails und Newsletters, in Broschüren oder Anzeigen.

Einheitliche Form: „Unser Angebot vom 4. Juni 2015“ oder „Kostenvoranschlag vom 04.06.2015“? „Zehn Prozent Preisnachlass“ oder „10 % Rabatt“? „AGB“ oder „Allgemeine Geschäftsbedingungen“? Alles möglich, aber bitte nicht kreuz und quer. Entscheiden Sie sich für identische Datumsangaben, für Zahlwörter oder Ziffern, für Abkürzungen oder Vollformen – und vergessen Sie Ihren Firmennamen nicht. Großbuchstaben, durchgängige Kleinschreibung, Kapitälchen oder Kursivschrift: Corporate Language funktioniert nur mit unverwechselbarer Unternehmensauszeichnung.

Corporate Language professionell anwenden


Große Firmen schulen ihre Mitarbeiter: mit Handbüchern über die Regeln ihrer Unternehmenssprache und Auflistungen bevorzugter oder abgelehnter Ausdrücke. Eine gut gepflegte Wordingliste hilft auch Ihnen, Form und Orthografie konsequent umzusetzen. Professionelle Texter legen ihrerseits Dateien mit firmenspezifischen Schreibungen und favorisierten Begriffen an. So bleibt bei möglichen Folgeaufträgen Einheitlichkeit gewahrt. Und brauchen Sie langfristig Unterstützung, dann arbeiten Sie tatsächlich langfristig mit einem (und nicht jedes Mal mit einem neuen) Texter zusammen. Corporate Language, das wissen Sie inzwischen, gelingt nur mit homogener Sprachstilistik. Schließlich möchten Sie, dass man Sie im Gedächtnis behält.

Suchen und finden: Informationen aus dem Internet, Faktenwissen auf Papier

Wer schreibt, braucht Informationen. Schriftsteller sammeln Hintergrundwissen für Erzählungen und Romane. Texter machen sich mit Themen und Kontexten ihrer Projekte vertraut. Auch Blogger kommen kaum um inhaltliche Recherchen herum ...
Wer schreibt, braucht Informationen. Schriftsteller sammeln Hintergrundwissen für Erzählungen und Romane. Texter machen sich mit Themen und Kontexten ihrer Projekte vertraut. Auch Blogger kommen kaum um inhaltliche Recherchen herum. Mein Überblick über die Geschichte des „Dudens“? Unmöglich ohne historische Details zur deutschen Rechtschreibung und ihrem gelben Wörterbuch. Und mein Beitrag über die Sprachgewalt tänzerischer Bewegungsabläufe? Ebenfalls undenkbar ohne brauchbare Lektüre. Ganz egal, ob Internetrecherche oder gedruckte Texte: Ein kritischer Blick ist unerlässlich. Websites und Literatur müssen auf Sachlichkeit, Aktualität und Unabhängigkeit hinterfragt werden. Doch seriöse Quellen zu finden, ist gar nicht so schwer.

Die große Suche: Google Deutschland

Im Internet recherchieren


Suchbegriffe eingeben, Websites anklicken, Texte lesen. Das Internet führt schnell und scheinbar zuverlässig zum Ziel. Allerdings zeigt Google beim Stichwort „Duden“ mehr als 15 Millionen Ergebnisse an. Die Suche nach „deutsche Rechtschreibung“ bringt es auf ebenso unüberschaubare 490.000 Treffer: allen voran der Online-Auftritt der Dudenredaktion, einige Verlagswebsites, die Rechtschreibseiten des Mannheimer Instituts für Deutsche Sprache – und der Wikipedia-Eintrag „Deutsche Rechtschreibung“. Für verlässliche Informationen sprechen folgende Kriterien:
  • Aufgerufene Websites werden von Institutionen, Organisationen oder Behörden betrieben (im Falle der deutschen Rechtschreibung von Instanzen wie der Dudenredaktion oder dem Institut für Deutsche Sprache).
  • Auf allen anderen Websites planen und schreiben Experten mit ausgewiesener Fachkompetenz (und keine anonymen Autoren wie bei Wikipedia).
  • Es geht nicht um gewerbliche, kommerzielle oder ideologische Interessen (wie bei Unternehmen, Händlern oder Buchverlagen).
  • Enthaltene Informationen sind mit Belegen versehen oder können auf andere Weise überprüft werden (die vom Institut für Deutsche Sprache bereitgestellte Datei „Deutsche Rechtschreibung: Regeln und Wörterverzeichnis“ bestätigt die Angaben der Duden-Website und umgekehrt).
  • Das Layout wirkt übersichtlich, die Texte sind fehlerfrei (korrekte Grammatik und Orthografie zeugen nicht nur beim Thema Rechtschreibung von Professionalität).
  • Werbung, persönliche Meinungen und Kommentare sind klar gekennzeichnet.

Literatur finden


Das Internet stellt unerschöpfliches Wissen bereit: Für viele von uns hat die klassische Literaturrecherche an Bedeutung verloren. Aber nicht immer liefert das Netz, was wir brauchen. Geeignete Bücher und Aufsätze helfen weiter, und auch hier sind die Möglichkeiten des Internets nicht zu unterschätzen. Im Gegensatz zum örtlichen Buchhandel bieten große Onlinehändler und Bibliothekskataloge eine übergroße Auswahl interessanter Titel. Ich selbst habe für meinen Blogbeitrag „Sprache voller Übersetzungsmöglichkeiten tanzen“ nach den Stichwörtern „Tanz“ und „Sprache“ gesucht. Und zwar
  • im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek: Hier tauchen alle themenrelevanten deutschen Monografien einschließlich Klappentexten und Inhaltsverzeichnissen auf.
  • im Karlsruher Virtuellen Katalog: Im „KVK“ sind Suchanfragen in deutschen und internationalen Bibliotheken, auf Onlinemärkten für antiquarische Bücher und in Datenbanken für digitale Medien möglich.
  • im WorldCat: Die Ergebnislisten des weltgrößten Bibliothekskatalogs lassen sich nach Inhalten, Autorennamen, Sprachen und Erscheinungsjahren filtern. Neben Büchern zeigt die Datenbank auch einzelne Aufsätze und Zeitschriftenartikel an.

Was nicht vor Ort verfügbar ist, kann über Fernleihe bestellt oder unter Umständen auch im Internet eingesehen werden. Mit etwas Glück hat die Plattform „Google Books“ lohnende Bücher eingescannt. Für analoge und digitalisierte Quellen gilt übrigens das Gleiche wie für Websites: hinterfragen, hinterfragen, hinterfragen. Bei Büchern und Aufsätzen zählen
  • ein sachlich-objektiver Sprachstil (um auf Seriosität zu schließen),
  • Literaturverzeichnisse und Belege durch Fuß- oder Endnoten (um Inhalte überprüfen zu können),
  • Texte neueren Datums (um aktuelle Informationen zu erhalten).

Doch auch ältere und populärwissenschaftliche Veröffentlichungen müssen nicht zwingend aussortiert werden. Mitunter eignen sich Belege aus erster Hand als Primärquellen: Sie machen das Manuskript farbiger, anschaulicher und überzeugender.

Bildnachweise

Foto „Professionelle Websitetexte: So geht's“: © Sebastian Mantel / unsplash.com

Foto „Kunden in den Mittelpunkt“: © Immo Schiller / fotolia.com

Foto „Zeigen Sie’s Ihren Lesern: Überzeugend werben, prägnant informieren“: © LaCozza / fotolia.com

Foto „Corporate Language macht nicht nur Großkonzerne unverwechselbar“: © Romolo Tavani / fotolia.com

Foto „Suchen und finden“: © Alexander Klaus / pixelio.de