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Ratgeber

Professionelle Websitetexte: So geht’s

Gut gemachte Websites verführen uns zum Lesen und zum Klicken. Und sie machen uns ihre Angebote schmackhaft. Achten Sie daher auch bei Ihrem eigenen Internetauftritt auf nutzerfreundliche Strukturen. Um die Besucher Ihrer Website ...
Gut gemachte Websites verführen uns zum Lesen und zum Klicken. Und sie machen uns ihre Angebote schmackhaft. Achten Sie daher auch bei Ihrem eigenen Internetauftritt auf nutzerfreundliche Strukturen. Um die Besucher Ihrer Website als Leser und als Kunden zu gewinnen, brauchen Sie ein übersichtliches Menü – und Websitetexte, die dem Leseverhalten im Netz gerecht werden.

Lesen im Netz


Bücher, Zeitungsartikel oder Computerausdrucke lesen wir aufmerksam und linear: von links nach rechts und vom Textanfang bis zum Ende. Im Internet sind wir ungeduldiger. Wir lesen selektiv, unser Blick springt: Wir scannen Websitetexte, suchen nach bestimmten Keywords und bleiben an Bildern, Überschriften und Aufzählungen hängen. Finden wir nicht auf Anhieb, was wir uns wünschen, klicken wir die nächste Website an. Mehr als 80 Prozent aller Internetnutzer verfahren so. Dosierte Informationen und optimal gestaltete Texte kommen dem Lesen am Bildschirm entgegen.

Das heißt für Sie: Gestalten Sie Ihre Websitetexte übersichtlich. Nutzen Sie
  • aussagekräftige Überschriften und Zwischenüberschriften,
  • kurze Textblöcke mit klar abgezirkelten Informationen,
  • Aufzählungen,
  • Hervorhebungen (beispielsweise durch fette oder farbige Schrift),
  • an den Textinhalt angepasste Fotos oder Grafiken.

Laptop, Notizblock und Brille auf altem Holztisch: Professionelle Websitetexte verfassen - Formulierungstipps für Leserfreundlichkeit im Internet

Websitetexte und die richtige Perspektive


Auf den richtigen Blickwinkel kommt es an. Ganz egal, ob Firmenwebsite, Online-Shop oder Dienstleistungsangebot: Achten Sie darauf, aus Perspektive Ihrer Leser zu schreiben.
  • Inhalte mit Mehrwert: Greifen Sie Inhalte auf, die für Ihre Kunden interessant sind. Beantworten Sie typische Kundenfragen, erläutern Sie Ihre Angebote und zeigen Sie den Besuchern Ihrer Website, wie Sie arbeiten.
  • Direkte Leseransprache: Nutzen Sie Personalpronomen – „Lassen Sie sich beraten“ oder „Wir bieten Ihnen (...)“ anstelle unpersönlicher Formulierungen wie „Unseren Kunden bieten wir (...)“. Dann können Ihre Leser Ihre Informationen direkt auf sich und ihre Anliegen beziehen.
  • Eigenständigkeit: Der Durchschnittsbesucher liest Ihre Website nicht von vorn bis hinten, sondern klickt sich nach Lust und Laune durch Ihre Texte. Und viele Leser landen nicht auf der Startseite. Google führt sie in der Regel auf einzelne Unterseiten Ihrer Website: auf Ihre Leistungsseite zum Beispiel. Deshalb sollte jeder Websitetext für sich allein stehen können.
  • Handlungsaufforderungen: Weiterlesen, sich im Angebot umschauen, ein Produkt bestellen oder ein Beratungsgespräch vereinbaren – das kommt der aktiven Haltung beim Surfen im Netz entgegen. Wer im Internet unterwegs ist, will klicken, Dateien herunterladen oder Kontakt aufnehmen. Setzen Sie daher auf klare Ansagen: auf Hinweise wie „Schreiben Sie uns“ oder Buttons wie „Jetzt bestellen“.

Websitetexte und der richtige Stil


Professionelle Websitetexte lassen sich angenehm lesen. Und sie stellen selbst komplizierte Sachverhalte klar und schlüssig dar. Auf folgende Punkte sollten Sie achten.
  • Kurze Sätze: Bandwurmsätze mögen auf Papier funktionieren, nicht aber im Internet. Lesen Sie sich Ihre Texte im Zweifelsfall laut vor. Sätze, die Sie nicht in einem Atemzug herunterlesen können, sind zu lang: Streichen Sie überflüssige Füllwörter – oder teilen Sie die angebotenen Informationen auf zwei Sätze auf.
  • Verständliche Formulierungen: Fachjargon und Fremdwörter machen es Ihren Lesern schwer. Nutzen Sie daher Begriffe, die im Alltag gebräuchlich sind – und die Sie im ganz normalen Kundengespräch verwenden würden: „Klimaanlage“ statt „Aircondition“, „Kundenbeziehung“ statt „Costumer Relationship“ oder „Umfrage“ statt „Survey“.
  • Aktive Sprache: Passivkonstruktionen wirken distanziert, Aktivsätze hingegen dynamisch und viel persönlicher. „Wir übernehmen Ihre Finanz- und Lohnbuchhaltung“ zum Beispiel (statt „Ihre Finanz- und Lohnbuchhaltung wird von unseren Mitarbeitern fristgerecht erstellt“). Daher sollte das Passiv eine Ausnahme bleiben.
  • Substantivierungen vermeiden: Auch Substantivierungen schaffen Distanz. Mit Verben, die echte Handlungen umschreiben (sogenannte „Tu-Wörter“), klingen Ihre Sätze aktiver und sympathischer: „Lassen Sie uns telefonieren“ statt „Setzen Sie sich mit uns in Verbindung“ oder „Wir arbeiten mit neuester Technik“ statt „Bei unserer Arbeit kommt die neueste Technik zum Einsatz“.
  • Dosierte Keywords: Natürlich schreiben Sie Ihre Websitetexte nicht allein für Ihre Leser, sondern auch für Google und Co. Doch wenn Sie Ihre Schlagwörter (Ihre Keywords) exzessiv verwenden, leidet die Lesbarkeit. Zudem hängt Ihr Ranking nicht nur von solchen Schlüsselbegriffen, sondern von vielen weiteren Faktoren ab: Setzen Sie Ihre Keywords also dosiert ein.
Kundenfreundliche Texte zu schreiben, ist kein Teufelswerk. Wenn Sie einige Dinge beachten, dürfen Sie sich über Leser freuen, die sich gern auf Ihrer Website aufhalten – und bei denen Ihre Botschaften ankommen.

Ausschlaggebend für professionelle SEO: Text, Text, Text

Klug konzipierte Websitetexte sind die Grundlage für professionelle Suchmaschinenoptimierung, kurz: SEO. Nehmen Sie sich die Maxime „Content is king“ zu Herzen – dann verhelfen Sie Ihrem Online-Auftritt ...
Klug konzipierte Websitetexte sind die Grundlage für professionelle Suchmaschinenoptimierung, kurz: SEO. Nehmen Sie sich die Maxime „Content is king“ zu Herzen: Dann verhelfen Sie Ihrem Online-Auftritt zu guten Rankings. Denn interessante, informative Beiträge setzen nicht nur wichtige Keywords in Szene. Sie ziehen Leser an und schaffen optimale Voraussetzungen für den indirekten Backlinkaufbau. Möglichkeiten gibt es jede Menge – ganz egal, in welcher Branche Sie tätig sind:

Inhaber- und Mitarbeiterbiografien: Informationen über Ansprechpartner und Team stellen eine erste Verbindung zu den Besuchern Ihrer Website her. In Angaben zu Ausbildung, Berufsstationen und Tätigkeitsschwerpunkten lassen sich mühelos branchentypische Keywords unterbringen.

Firmengeschichte: Ein Überblick über Firmengründung und -entwicklung lohnt sich bereits für kleine Betriebe und Unternehmen. Es muss keine umfassende Unternehmenschronik sein. Auch eine kurze Darstellung liefert den Besuchern Ihrer Website unmittelbaren Mehrwert und Ihnen selbst dienliche Keywords.

Arbeitsproben: Für Designer, Fotografen, Texter oder Journalisten sind Arbeitsproben längst obligatorisch. Doch auch für Handwerksberufe gilt: Zeigen Sie, was Sie können – und zwar mit Bildern und mit Texten. Ergänzen Sie aussagekräftige Abbildungen um ebenso aussagekräftige Beschreibungen. Auch hier gewinnen Sie fast automatisch relevante Keywords.

Ratgeber: Wie pflege ich meine teuren Holzmöbel am besten? Welche Farben und Textilien bringen Ihre Wohnräume optimal zur Geltung? Und wie mache ich meinen Garten winterfest? Beantworten Sie solche Fragen auf einer Ratgeberseite Ihrer Tischlerei, Ihres Innenarchitekturbüros oder Ihrer Gärtnerei. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, und ein Eigentor schießen Sie damit gewiss nicht. Im Gegenteil: Anregungen und Empfehlungen zeugen von Ihrer Kompetenz.

Wissenswertes: Präsentieren Sie aufschlussreiche, mit dosierten Keywords versehene Texte rund um Ihren Beruf. Sie brauchen keine offensive Werbesprache. Wer auf Ihrer Website landet, weiß bereits, warum er Sie googelt. Dass Sie der richtige Ansprechpartner sind, haben Sie (hoffentlich) in Ihrem Angebotsprofil deutlich gemacht. Schreiben Sie in der Rubrik „Wissenswertes“ über Esskultur, wenn Sie ein Küchenstudio oder ein Restaurant betreiben. Stellen Sie Beiträge zu Arbeitsmaterialien, Arbeitstechniken und aktuellen Trends ein, wenn Sie Goldschmied, Optikerin oder Friseur sind. Und geben Sie Einführungen in die Grundlagen Ihres Fachs, wenn Sie eine Kanzlei oder eine Arztpraxis führen.

Glossar: Ein Glossar oder ein Lexikon bietet Raum für grundlegende Keywords. Erläutern Sie branchen- und berufsspezifische Dinge in Kürze. Ich empfehle etwa 50 bis 60 Wörter. Ihr Glossar bleibt übersichtlich und dennoch informativ.

Blog: In einem eigenen Blog können Sie Texte ohne Ende entwickeln. Schreiben Sie zu Themen, die Ihren Berufsalltag berühren: Beiträge mit ausschlaggebenden Keywords ergeben sich wie von selbst. Allerdings bietet sich ein Blog nicht für jedermann an. Wem Schreiben nicht liegt und wer die Textarbeit nicht delegieren kann, muss immer wieder Texte kaufen oder auf usergenerierten Content (zum Beispiel auf reine Kommentarbereiche) zurückgreifen. Beeinflussen können Sie die Inhalte Ihres Blogs in letzterem Fall nur bedingt.

Interviews: Veröffentlichen Sie auf Ihrem Blog oder Ihrer Website Interviews mit Kollegen, Kooperationspartnern oder Spezialisten. Passende Themen garantieren passende Keywords. Darüber hinaus werden Ihre Gesprächspartner Ihre Interviews verlinken, auf Ihre Website verweisen und indirekt für Sie werben.

Für alle Formate gilt: Denken Sie daran, dass wir Websitetexte anders lesen als ein Buch oder die Printausgabe der Zeitung. Tipps und Tricks finden Sie in meinem Beitrag Professionelle Websitetexte: So geht’s. Professionelle SEO wiederum erfordert einzigartige Inhalte (sogenannten Unique Content). Sobald Google deckungsgleiche Texte identifiziert, taucht lediglich eine Version weit oben in den Suchergebnissen auf. Doppelter Content wird niedriger eingestuft oder gar nicht mehr angezeigt.

Stellen Sie also nicht einfach Beiträge ein, die Sie bereits anderswo veröffentlicht haben. Und schreiben Sie immer selbst oder geben Sie individuelle Texte in Auftrag: Von fremden Websites zu kopieren, ist laut Urheberrechtsgesetz strafbar. Weil Google nicht erkennt, welche Varianten Originale und welche Kopien sind, fliegt mitunter die originale Seite aus dem Index. Daher wird jeder Websitebetreiber gegen Textdiebstahl vorgehen. Das sollten Sie im Fall der Fälle natürlich auch tun. Näheres erfahren Sie in meinem Interview mit Rechtsanwalt Daniel Baumgärtner.

Kunden in den Mittelpunkt: Kleiner Crashkurs in Sachen kundenorientiertes Schreiben

Ideale Kundenkommunikation kommt den Bedürfnissen künftiger Käufer oder Auftraggeber entgegen. Potenzielle Interessenten lesen Ihre Websitetexte, Flyer oder Broschüren nicht, weil sie sich ...
Ideale Kundenkommunikation kommt den Bedürfnissen künftiger Käufer oder Auftraggeber entgegen. Potenzielle Interessenten lesen Ihre Websitetexte, Flyer oder Broschüren nicht, weil sie sich für Ihre Firma interessieren – sondern weil sie nach Lösungen für persönliche Anliegen oder Probleme suchen. Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler, wie ein oft zitiertes Sprichwort sagt. Schreiben Sie Ihre Firmentexte also stets aus der Perspektive Ihrer Kunden. Folgende Checkliste hilft Ihnen dabei.

Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler: Angler am Strand

1. Ihre Informationen dienen Ihren Kunden


Müssen Ihre Leser wissen, dass Ihre Firma einen neuen Geschäftsführer hat? Nicht unbedingt. Sollten Sie Ihren Lesern sagen, dass dieser neue Geschäftsführer das Angebot erweitert oder neue Preise einführt? Auf jeden Fall. Verbinden Sie Firmeninformationen mit wissenswerten Botschaften und stellen Sie Vorteile für Ihre Kunden heraus. Wenn Sie Ihren Kunden keinen Mehrwert bieten, werden sie Ihre Texte gelangweilt beiseitelegen.

2. Sie reden nicht nur über sich


Bespiegeln Sie sich nicht selbst, sondern wenden Sie sich an Ihre Leser. Prüfen Sie, wie oft die Pronomen „ich“, „mein“, „wir“ (die Firma!) und „unser“ (unsere Firma!) in Ihren Texten auftauchen. Zählen Sie gleichfalls, wie oft Sie Ihre Kunden mit „Sie“, „Ihre“, „wir“ (wir gemeinsam!) und „unser“ (unsere Zusammenarbeit!) ansprechen. Überwiegen Wörter wie „ich“, „mein“ und „wir“ (die Firma!), dann brauchen Sie eine gezieltere Kundenansprache: Überarbeiten Sie Ihren Text.

3. Sie sprechen mit Ihren Kunden


Gute Werbetexte zeichnen sich nicht nur durch eine direkte Leseransprache aus. Sie sind zugleich imaginäre Dialoge. Stellen Sie sich beim Schreiben vor, Sie würden mit einem interessierten Kunden reden. Nehmen Sie seine Wünsche, Fragen oder Einwände vorweg: Stehen Sie für Rückfragen bereit, bieten Sie Beratung, Entscheidungshilfen und Kontaktmöglichkeiten an.

4. Ihre Aussagen sind konkret und bildhaft


Sie werben für Ihr „großes Angebot“? Sie sprechen von Ihren „umfassenden Kompetenzen“? Oder Sie preisen Ihre „innovativen Produkte“ an? Werden Sie stattdessen konkret: mit Hinweisen auf „über 1.000 Artikel“ und Angaben zu Ihren Weiterbildungen. Oder mit Informationen über das Können Ihres beliebtesten Brotbackautomaten oder Ihres neuesten Tablets. Behaupten Sie nicht, sondern zeigen Sie. Konkrete Tipps finden Sie in meinem Beitrag Zeigen Sie’s Ihren Lesern.

5. Sie setzen kein Insiderwissen voraus


Beurteilen Sie Ihre Texte mit etwas Abstand: Erwähnen Sie Dinge, mit denen lediglich Experten wie Sie etwas anfangen können? Streichen Sie überflüssige Fachinformationen und erklären Sie, was unbedingt angesprochen werden muss. Ordnen Sie Funktionen und Eigenschaften Ihrer Produkte ein. Und beschreiben Sie Herstellungsprozesse oder Arbeitsabläufe einfach und einleuchtend. Lassen Sie Ihre Texte im Zweifelsfall gegenlesen oder investieren Sie in ein professionelles Lektorat.

6. Sie verwenden keine Fachbegriffe


„Das Kreditrisiko gegenüber Finanzinstituten und Emittenten von Wertpapieren ergibt sich vor allem aus der Anlage liquider Mittel im Rahmen des Liquiditätsmanagements sowie durch den Einsatz derivativer Finanzinstrumente“, schreibt der Autohersteller Daimler. Solche Sätze sind schwer zu lesen und kaum zu verstehen. Verzichten Sie daher auf Fachjargon und Fremdwörter. Halten Sie sich auch dann zurück, wenn branchentypische Fachbegriffe allgemein gebräuchlich sind: Klare, verständliche Formulierungen lassen sich am besten lesen.

7. Sie verzichten auf Abkürzungen


Jeder Werbetexter weiß, dass sich hinter „AIDA“ keine Kreuzfahrt, sondern die Formel „Attention, Interest, Desire, Action“ verbirgt. Und Textdienstleister wissen, dass mit „VFLL“ der Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren gemeint ist. Außenstehende können solche Kürzel nicht deuten. Schreiben Sie fachspezifische Abkürzungen also stets aus. Ausnahmen dürfen Sie sich lediglich bei allgemein bekannten Kurzformen wie "BAföG", "ver.di" oder "BWL" erlauben.

Zeigen Sie’s Ihren Lesern: Überzeugend werben, prägnant informieren

Sie fehlt in keinem Schreibratgeber und in keiner Autorenschule: die Zauberformel „zeigen statt behaupten“. Routinierte Schriftsteller treffen keine simplen Aussagen ...
Sie fehlt in keinem Schreibratgeber und in keiner Autorenschule: die Zauberformel „zeigen statt behaupten“. Routinierte Schriftsteller treffen keine simplen Aussagen, sondern sie illustrieren und beweisen. Ian McEwan hätte schlicht und einfach erwähnen können, dass Emily Tallis einen Migräneanfall bekam. Stattdessen entfaltet sich in seinem Roman „Abbitte“ ein assoziativer Bilderreigen. Denn „sie spürte keinen Schmerz, noch nicht, fühlte ihn aber nahen. Leuchtende Punkte glühten in ihrem Blickfeld auf, kleine Nadellöcher, als würde der abgewetzte Stoff der sichtbaren Welt vor ein weit helleres Licht gehalten.“1

Was für Bücher gilt, gilt auch für Websitetexte, Firmenwerbung, Produktangebote oder Blogbeiträge. Zumindest dann, wenn Sie Ihre Leser beeindrucken und überzeugen wollen. Glaubhafte Eigenwerbung zeichnet sich durch indirekte Belege aus – und überlässt Ihren Kunden die richtigen Schlüsse.

Dalmatiner und Ventilator als Metapher für bildhafte Sprache: Zeigen statt behaupten

Zeigen statt behaupten: Bildhaft formulieren


Behaupten Sie nicht, dass Sie die kreativste Designerin, die erstklassigste Marketing-Agentur oder der innovativste Maschinenhersteller sind. Zeigen Sie stattdessen Ihre erstklassigsten Arbeiten und Ihre innovativsten Produkte. In Form von
  • Fotos, Entwürfen oder Grafiken,
  • Dokumentationen gelungener Kampagnen,
  • kleinen Erfolgsgeschichten zur Verarbeitung und Verwendung Ihrer Produkte.

Behaupten Sie nicht, dass Sie der beste Finanzberater, die kompetenteste Anwältin oder die professionellste Kfz-Werkstatt sind. Zeigen Sie stattdessen Ihre Kompetenz und Professionalität. Zum Beispiel mit
  • einem eigenen Blog und informellen Beiträgen rund um Ihren Beruf oder Ihre Dienstleistungen,
  • Ratgebertexten auf Ihrer Website,
  • fachlichen Tipps in Broschürenform.

Behaupten Sie nicht, dass Sie der kundenfreundlichste Reiseveranstalter oder der zuverlässigste Handwerker sind: Treten Sie kunden- und serviceorientiert auf. Dabei helfen Ihnen Websitetexte und Geschäftsbriefe mit
  • direkter Leseransprache: mit den Pronomen „Sie“, „Ihr“ oder „Ihre“ statt ständiger „Ich“- und „Wir“-Formulierungen,
  • deutlichen Hinweisen auf mögliche Kundenvorteile: auf den Mehrwert Ihrer Angebote oder auf konkrete Lösungen,
  • plausiblen Begründungen: mit nachvollziehbar erläuterten Arbeitsabläufen oder Firmenentscheidungen.

Behaupten statt zeigen: Stichhaltig informieren


Kurze, postulierende Aussagen sind nicht grundsätzlich schlecht. Der Grundsatz „Behaupten statt zeigen“ empfiehlt sich dann, wenn Sie Aufmerksamkeit erregen wollen. Oder wenn Sie übersichtliche Informationen weitergeben möchten. Beispielsweise in
  • Überschriften und Zwischenüberschriften,
  • Teasern und Zusammenfassungen,
  • Aufzählungen,
  • Preisinformationen.

Behauptungen statt illustrierender Beschreibungen sind gleichfalls geboten, wenn es um Berichte oder Dokumentationen geht. Schreiben Sie über Fakten (wie ich über die Einführung der neuen deutschen Rechtschreibung), dann brauchen Sie eine sachliche Sprache. Und geben Sie fachliche Tipps (wie ich in meinem Beitrag über Corporate Language), sollten Sie sich klar und bündig ausdrücken. Sie erinnern sich sicherlich: Mit berufs- und qualifikationsbezogenen Texten zeigen Sie Ihre Kompetenz. Manchmal tragen auch Behauptungen zu überzeugender Eigenwerbung bei.

1 McEwan, Ian: „Abbitte“. Zürich, 2002, S. 92.

Corporate Language macht nicht nur Großkonzerne unverwechselbar

„Corporate Language: einheitliche unternehmensspezifische Sprache, die ein wesentlicher Bestandteil des Corporate Behavior ist. Sie übt einen erheblichen Einfluss auf die Corporate Identity ...
„Corporate Language: einheitliche unternehmensspezifische Sprache, die ein wesentlicher Bestandteil des Corporate Behavior ist. Sie übt einen erheblichen Einfluss auf die Corporate Identity (nach innen wie nach außen) und damit auf das Corporate Image aus.“ (Gabler Wirtschaftslexikon)

Corporate Language nutzen


Erfolgreiche Unternehmen positionieren sich. Mit einem bestimmten Auftreten (Corporate Behavior) und einem klug in Szene gesetzten Selbstverständnis (Corporate Identity). Mit einheitlicher visueller Gestaltung (Corporate Design). Und mit passgenauer Sprache. Wer Corporate Language nutzt, wird wiedererkannt und hebt sich von der Konkurrenz ab: Alle großen Firmen leiten aus ihrer Unternehmensphilosophie und ihren Kernwerten wohldurchdachte Sprachregeln ab.

Dafür fehlt mir die Zeit, denken Sie jetzt vielleicht. Dabei sind die Grundlagen der Corporate Language gar nicht so schwer. Wenn Sie einige Regeln beachten, kommunizieren Sie professionell. Und Sie binden Ihre Kunden.

Corporate Language macht nicht nur Großkonzerne unverwechselbar: Tipps für die unternehmensspezifische Sprache

Corporate Language entwickeln


Einheitlicher Stil: Corporate Language braucht einen unverkennbaren Klang: dynamisch oder sachlich, locker oder seriös, emotional oder anspruchsvoll. Entscheiden Sie mit Blick auf Ihre Firma, Ihre Zielgruppe und Ihre Angebote – und behalten Sie Ihren persönlichen Stil durchgängig bei. Selbst in Auftragsbestätigungen und in der Abwesenheitsnotiz Ihres Mailprogramms.

Einheitliche Kundenansprache: Förmliches „Sie“ oder persönliches „Du“? Auch das hängt von Ihrer Firma und Ihrer Zielgruppe ab. Für Traditionsunternehmen, Versicherungen und Steuerbüros gilt natürlich das „Sie“. Junges Publikum, flache Hierarchien und Fitness- oder Freizeitangebote sprechen dagegen für das freundschaftliche „Du“. Einmal eingeführt, bleibt auch das Duzen für alle Textformate verbindlich.

Klare Worte: Mit bürokratischen Formulierungen, technischen Ausdrücken und Fachbegriffen kommt keine Corporate Language auf. Allein anschauliche Texte haben Wiedererkennungswert. Schreiben Sie also verständlich und bildhaft. Holen Sie Ihre Leser auf emotionaler Ebene ab – weil „Sag der Unordnung Gute Nacht“ aus dem Haus IKEA viel interessanter klingt als „Stauraumbetten günstig online kaufen“.

Einheitliche Rechtschreibung: Die Rechtschreibreform hat uns etliche Variantenschreibungen beschert. „Selbständig“ und „selbstständig“, „Biografie“ und „Biographie“, „essenziell“ und „essentiell“: Das alles ist laut neuer deutscher Rechtschreibung korrekt. Verwenden Sie alternative Schreibungen jedoch nicht wild durcheinander. Corporate Language setzt Einheitlichkeit voraus: auf Ihrer Website, in Ihren E-Mails und Newsletters, in Broschüren oder Anzeigen.

Einheitliche Form: „Unser Angebot vom 4. November 2018“ oder „Unser Angebot vom 04.11.2018“? „Zehn Prozent Rabatt“ oder „10 % Rabatt“? „AGB“ oder „Allgemeine Geschäftsbedingungen“? Alles möglich, aber bitte nicht kreuz und quer. Entscheiden Sie sich für identische Datumsangaben, für Zahlwörter oder Ziffern, für Abkürzungen oder Vollformen – und vergessen Sie Ihren Firmennamen nicht. In Ihrem Firmennamen können Sie konsequent kleinschreiben, durchgängig Großbuchstaben verwenden, Binnenversalien nutzen oder zu kursiver Schrift greifen. Achten Sie jedoch darauf, Ihr Unternehmen immer gleich auszuzeichnen.

Corporate Language professionell anwenden


Große Firmen schulen ihre Mitarbeiter. Handbücher fassen die Regeln ihrer Unternehmenssprache zusammen. Und sogenannte Wordinglisten halten erwünschte und nicht erwünschte Wörter und Formulierungen fest. Solche Handbücher oder Listen helfen auch Ihnen und Ihren Angestellten: Sie können im Zweifelsfall nachschlagen (zum Beispiel, ob Sie bislang „essenziell“ oder „essentiell“ geschrieben haben) – und Ihre Mitarbeiter wissen, worauf es Ihnen in der schriftlichen Kommunikation ankommt.

Bildnachweise

Foto „Professionelle Websitetexte: So geht's“: © Sebastian Mantel / unsplash.com

Foto „Kunden in den Mittelpunkt“: © Immo Schiller / fotolia.com

Foto „Zeigen Sie’s Ihren Lesern: Überzeugend werben, prägnant informieren“: © LaCozza / fotolia.com

Foto „Corporate Language macht nicht nur Großkonzerne unverwechselbar“: © Romolo Tavani / fotolia.com